Archiv der Kategorie: Album

T.Rex – The Slider (Audiophile Reissue) (p) 1972

Liegt es am eigenen Alter, liegt es an der oft unsäglichen (weil immer gleichen) Musik im Mainstream-Radio oder am immer noch winterlichen Wetter?

Egal welches der Grund gewesen sein mag: nach gefühlt ewiger Zeit kopierte ich mir neulich wieder ein paar T.Rex-Songs auf meine SD-Karte, um mir auf dem Weg zur Arbeit die Zeit im Stau zu vertreiben. Und während ich mit „Children Of The Revolution“ über die Landstraße zockel, gehe ich im Kopf meine LPs von T.Rex und ihrem Mastermind Marc Bolan durch. Angefangen bei „My People Were Fair…“ (1968 noch als Tyrannosaurus Rex!) bis „Electric Warrior“ über „Tanx” zu “Dandy In The Underworld”.

Aber fehlt da nicht eine LP? Am Nachmittag knie ich vor dem Regal, suche… und finde nichts!

Es fehlt doch tatsächlich „The Slider“, das dritte Album der Glam-Rock-Ikonen (sofern man die Tyrannosaurus Rex-Alben aussen vor lässt!)!

Das ist dann der Moment, in dem ich Amazon liebe. Auf dem Smartphone kurz nachgeschaut und tatsächlich gibt es die Vinyl-Ausgabe für 17,99€.

Und am nächsten Tag halte ich das “Audiophile reissue on 180 gram heavyweight vinyl remastered specially for the 40th Anniversary box set by Tony Visconti”-Album in den Händen.

Diese Platte wurde urspünglich für eine auf 2000 Stück limitierte Jubiläumsbox produziert, ist jetzt (März 2018) auch separat bei Amazon erhältlich. Dort soll die erwähnte Jubiläumsbox 259,-€ kosten!

Während ich behutsam die Folie entferne, erinnere ich mich an die ersten Gerüchte, die ich (vor 47 Jahren!) in der Schule über diese „Wahnsinnsgruppe“ mit dem Sauriernamen auffing! In unserer Schülerzeitung gab es sogar einen Artikel, mit dem der Autor beweisen wollte, dass Marc Bolan der legitime Nachfolger von Elvis sei! Und die schwarze Hülle meiner „Hot Love“-Single weist noch immer die Knickspuren auf, mit der ich sie 1972 in meine Jeans-Jacke gesteckt hatte: T.Rex hatten sich in Hamburg (Mönckebergstraße, „Die Schallplatte“) zur Autogrammstunde angesagt. Ich und hunderte von Fans standen dort am Eingang zur Spitalerstrasse… nur T.Rex kamen nicht.

Aber ich schweife ab, mittlerweile dreht sich „The Slider“ auf dem Thorens und genau da passiert es wieder: „Metal Guru“ schiebt den „Gute Laune“-Regler sofort auf Anschlag. Die Finger trommeln den Takt und unwillkürlich summe ich den Riff mit. Und dann geht es Schlag auf Schlag weiter. Mal sanft und schmeichelnd („Mystic Lady“), im typischen Bolan-Boogie-Sound („Rock On“), als grandioser Titelsong („The Slider“) oder als harter Gitarrensound („Buick Mackane“).

Und schon ist die erste Seite zu Ende und die Mechanik des Thorens klackt leise. Also die Scheibe umgedreht und weiter geht es mit „Telegram Sam“, die erste Singleauskopplung dieses Albums (Nr.1 in GB, Nr.4 in D).

Ist es Ausdruck von cleverem Marketing oder von Bolans Selbstbewußtsein, gleich die Singlesauskopplungen an den Anfang der beiden Seiten zu legen? Wer nur die Hits hören wollte, konnte danach die Platte wenden und musste nicht vorsichtig mit dem Lift zur richtigen Stelle „schweben“ (Vinyl-Fans wissen was gemeint ist?).

Wer die Platte jedoch so gehört hat, dem entgingen der Engtanzklassiker „Rabbit Fighter“, das mittlerweile vielfach gesamplete „Baby Strange“, das zärtliche „Ballrooms Of Mars“ oder sogar die Glam-Rock-Parodie von „Whole Lotta Love“! Hört euch einmal genau den Anfang von „Chariot Choogle“ an.

Insgesamt wurde der Schieberegler („The Slider“) in dieser Produktion viel weiter aufgerissen, als noch bei dem Vorgänger „Electric Warrior“. Schlagzeug und Gitarre wirken viel härter und insbesondere Marc Bolan zeigt hier ein paar wirklich bemerkenswerte Gitarrenläufe.

„The Slider“ ist damit eines der bedeutendsten Glam Rock Alben der 70er-Jahre.

Das Polaroid-Cover (das Foto übrigens nicht – wie auf dem Cover vermerkt – von Ringo Starr, sondern von Tony Visconti…) ist nach wie vor ein Blickfang. Undeutlich und etwas verschwommen, ein Lockenkopf mit übergroßem Zylinder, präsentiert es optisch genau die Welt von Marc Bolan.

Mit „The Slider“ hatten Marc Bolan und T.Rex  den Höhepunkt ihres Schaffens erreicht, was zum damaligen Zeitpunkt aber niemand ahnen konnte.

Zwischen „Ride a White Swan“ im Oktober 1970 und der LP „Tanx“ von 1973 herrschte „T. Rextasy“: Jede Single wochenlang an der Spitze der europäischen Charts, selbst in den USA konnte T.Rex einen Top-Ten-Hit landen.

Die „ernsthaften“ Kritiker (wer sich noch an die Zeitschrift „Sounds“ erinnert…) konnten mit dieser Musik nichts anfangen.

Daher zum Schluss ein Zitat aus der „Süddeutschen“ :
„…Es stimmt alles, was über sie Schlechtes wie Schlichtes gesagt worden ist, doch hat Marc Bolan im Gegensatz zu zahllosen anderen Teenie-Bands ein paar Songs geschrieben, die durch Zeit und Kritik unkaputtbar sind. Selbst von T.Rex selbst. „Ride a White Swan“, „Jeepster“, „Hot Love“, „Get It On“, „Children of the Revolution“, „Cosmic Dancer“. Die Summe der nichtigen Einzelteile – der Gesang mit seinem hysterischen Vibrato, dieses dumpfe Donnern der Gitarrenriffs, dieses Herzschlagpochen der Congas, der Bierzelt-Rhythmus, den der Bass dauernd spielt – all das vereint sich in diesem halben Dutzend Lieder zu einer Art Premium-Schund, etwas, das auch nach drei Jahrzehnten eine vorbewusste Gültigkeit besitzt….“

Und ich drehe die Platte wieder um und drehe die Regler auf…. „Metal Guru“

Deep Purple – Infinite (Large Box-Set) (p) 2017

Unendlich?? Unendlich gut!!
Also: ich werde hier nicht auf die Songs eingehen, ich werde nicht über das Fehlen von Ritchie „Strumpfhosen“ Blackmore jammern… ich will nur ganz kurz(?) das Feeling wiedergeben, mit dem ich heute das inFinite-Large Box Set ausgepackt und aufgelegt habe. Kurzer Sprung zurück: vor knapp 45 Jahren hielt ich „In Rock“ in den Händen und war nach den ersten Takten(?) von Speed King elektrisiert. Und dann das Cover… in Stein gemeißelte Götter (okay, ich war erst 13 Jahre alt!) des harten, progressiven Rock.
Und heute kommt mit der Post dieses Riesenpaket und ich sehe die in Eis erstarrten… nein, es sind keine Götter mehr… Gesichter dieser großartigen Musiker und höre den Sound von vor 45 Jahren: die wabernden und dröhnenden Keyboards, eine melodisch-jaulende Gitarre, hämmernde und swingende Drums, den pulsierenden Bass und lediglich der (immer noch unverkennbaren) Stimme des Sängers merkt man die vergangenen Jahre an.
Das ist aber in keiner Weise negativ gemeint… jeder Satz, jede Phrasierung sitzt und kommt auf den Punkt. Hier erzählt ein reiferer Mann Geschichten, die das Leben geschrieben hat. Der wütendende und zornige „Jesus Christ Superstar“ gehört schon lange der Vergangenheit an, Ian Gillan hat seine Stil angepasst und es passt wie Dein Paar Lieblingssneaker.
Ich lasse mich für eine dreiviertel Stunde zurückfallen, genieße den Jameson und Bilder aus den vergangenen Jahre ziehen vorbei. Und wenn dies wirklich die letzte Scheibe sein sollte, dann ist das ein absolut würdiger Schlussakkord… verglichen mit dem Müll, den ich eben auf Vox bei der Echo-Verleihung gesehen habe, eine wahre Offenbarung.
Aber so wirklich mag ich es nicht glauben. Vielleicht folgt ja doch noch ein wirklich wahres letztes Album?? Und jetzt beginnt gerade „Roadhouse Blues“, ich muß Schluss machen und die „Live Tapes“ auflegen. Habe ich noch etwas vergessen? K a u f e n !! Diese Scheibe verdient alle Sterne der Welt!

 

Rival Sons – Great Western Valkyrie (p) 2014

Ja, ist denn schon wieder Weihnachten?

Genau das war das erste Gefühl, als ich diese Band live als Vorgruppe erleben durfte. Vorgruppen sind ja so eine Sache, häufig genug ein Vorwand ein letztes Mal zu verschwinden… Zigarette für die Raucher, Bier ent- oder besorgen für den Rest der Welt.

Als diese Band an jenem Abend die Bühne enterte führte das bei mir am nächsten Tag zum Spontankauf ihres letzten Albums, natürlich die Vinyl-Version! Wenn eine Band so stilsicher den Hard- & Blues-Rock der 70er leben lässt, dann darf es keine CD sein.

Dann drehte sich die Platte auf dem Teller, und bei mir schlich sich ein Gefühl von „Kenn-ich-schon-,-das-sind-doch…“ ein. Und tatsächlich, auf der Platte, noch viel deutlicher als im Konzert, glaubt man als Fan der 70er viele bekannte Wendungen herauszuhören. Dieses Gefühl wird durch die Produktion verstärkt: rauh, leicht übersteuert und am besten gaaanz laut hören.

Aber ich hab die Truppe live gesehen und ich könnte, nein ich schwöre: das ist echt, das ist keine typische Retro-Band. Wer erinnert sich noch an der Erstling von Kingdom Come? Ein 1:1 LedZep-Plagiat und trotzdem witzig. Diese Scheibe („Great Western Valkyrie“) hat hingegen dermaßen viele neue Songs zu bieten, das derjenige, der mit dem Gedanken spielt, sich beispielsweise die 51. Neuauflage eines bereits 50-fach in seinem Besitz befindlichen Deep Purple-Live-Albums anzuschaffen, dieses Geld lieber in „Great Western Valkyrie“ investieren muß!!

Wenn Jay Buchanan in „Electric Man“ von seinem Cadillac und dem Girl singt, dann bohrt sich dieser Refrain in der Kopf. Das Gitarrenintro von Scott Holiday in „Play The Fool“ stammt definitiv von LedZep, aber spätestens im Refain haben sie Dich. Und dann kommt „Good Things“… boooaaa eeyyyh! Sommerabend auf der Veranda, das eiskalte Bier in der Hand und genieße das Leben! Es kommt wie es kommt:

Good things will happen
Bad things will happen, too
Sometimes its someone down the road
Sometimes its somebody next to you
Enjoy it right now
Because you never know
When its gonna end
Enjoy it right now
Because you never know
When its gonna end

Der Song hat das Zeug zu einem All-Time-Greatest! Und bevor ich jetzt auch noch die anderen Songs durchgehe, mein dringender Tipp an alle Deep-Purple-Led-Zeppelin-Doors-Free-Fans: holt euch diese Scheibe bevor es zu spät ist! Es werden nicht mehr viele neue Bands kommen, die diese Musik so leben wie die Rival Sons. Wer schon einmal Jay Buchanan auf der Bühne gesehen hat, der weiß was ich meine!

„Rival Sons – Great Western Valkyrie teleportiert die 70s ins Jahr 2014. Die Rival Sons verfeinern sämtliche ihrer Trademarks, riskieren eine Schippe Psychedelik im schweren Bluesrockgemisch und bekräftigen: die Geschichte des (traditionellen) Rock ist noch lange nicht zu Ende geschrieben.“ (www.laut.de)

 

 

Black Blood – Chicano (p) 1975

Wenn man etwas nicht vergessen soll, dann hat man sich früher Knoten in die Taschentücher gemacht. Heute benutzen die Medien (oder die Industrie?) musikalische Taschentücher. Es ist ja schon fast Tradition: jedes sportliche Großereignis wird von akustischen Taschentüchern begleitet und noch Wochen nach der Fussball-WM 2010 dröhnt einem immer noch „Waka Waka“ um die Ohren. Ein anderer Song, der uns immer noch an die WM erinnert, war (oder ist) „Helele“ von Velile & Safri Duo.
Nein, ich werde dieses synthetische Bongo-Gewürge nicht kommentieren, dazu ist der Song einfach zu gut, aber…
wie war das mit der Erinnerung und dem Taschentuch?

Ich habe nämlich plötzlich einen 35 Jahre alten Knoten in meinem Taschentuch.

1975 erschien diese Sommer-Super-Gute-Laune-Scheibe von der afrikanischen Band Black Blood, die leider zur unpassenden Zeit auf dem europäischen Markt landete. Osibisa waren schon wieder in Vergessenheit geraten und Weltmusik hatte die Massen noch nicht erreicht (Peter Gabriel, Paul Simon, ja sogar Peter Maffay kamen erst in den 80ern auf diesen Trip). Weshalb auf meiner LP damals der Sticker „Soul Tropical“ prangte, das bleibt wohl ein Gehemins der deutschen Platenfirma. Leider gibt es diese LP/CD aktuell nicht mehr im Handel. Also versucht euer Glück bei ebay

Was bleibt?

Zwölf rythmische Gassenhauer mit heißen (und echten!) Percussion unterlegt, englisch-afrikanisches Kauderwelsch (aber wer achtet beim Tanzen auf die Texte), das zumindest in den Titeln auf einen Schuss Humor deuten lässt. Der Titelsong „Chicano (When Philly Goes To Barcelona)“ sagt schon fast alles, sofern man noch weiß was „Phillysound“ war…

Ach ja, und dann ist da noch der erste Song auf Seite zwei. „AIE (A Mwana)“ war damals ein mittlerer Hit im Radio, in vielen Discos jedoch der Feger! Der aktuelle Mega-Hit „Helele“ ist nämlich nichts anderes, wie eine aufgepeppte Kopie. Fast schon frech, das Original nicht zu erwähnen…

Ich hoffe nur, die Jungs von Black Blood bekommen ein paar Tantiemen ab, verdient hätten Sie es!

Und kaufen kann man diese Scheibe nur noch Second Hand!

 

Neil Diamond – In My Lifetime (p) 1996

Neulich beim Frühstück: Im Radio dudelt nur der übliche Müll (nicht nur, aber fast nur…:-) und plötzlich kommt einem die Melodie bekannt vor. Unser Sohn: „Das sind HIM mit „Solitary Man“, geiler Song!“ und kaut weiter.

Erst „Behind Blue Eyes“ als Coverversion von Limp Bizkit und jetzt das. Obwohl beide Coverversionen wirklich nicht schlecht sind, denke ich bei mir ‚denen fällt auch nichts Eigenes mehr ein!‘ und suche mir später diese 3er-CD raus und werde fündig: „Solitary Man“ im Original.

Wenn es überhaupt eine bessere Version gibt, dann nur die von Johnny Cash. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Beim Hören dieser 3 CDs fällt mir dann erst wieder richtig auf, welchen Einfluss die Songs von Neil Diamond hatten und haben. Alle Coverversionen vorzustellen die einem einfallen, dafür kann man eine eigene Homepage machen (u.a gibt es sogar mit „Kentucky Woman“ eine Jugendsünde von Deep Purple ….)

Das Besondere an diesem 3-CD-Boxset aus dem Jahr 1996 ist die chronologische Zusammenstellung von Songs, die seinerzeit auf verschiedenen Labels erschienen sind. Damit erhält man einen tollen Überblick über die musikalische Entwicklung dieses aussergewöhnlichen Songwriters.  So gibt es hier klanglich gut aufgearbeitet seine bekanntesten Hits und 16 bisher unveröffentlichte Songs mit einer Gesamtlaufzeit von 229 Minuten. Auf Live-Versionen wurde bis auf „Dry Your Eyes“ von The Bands „Last Waltz“ verzichtet.

Seinen Durchbruch feierte Diamond 1966 (u.a. mit „Cherry Cherry“). Als Songwriter lieferte er fast zeitgleich mit „I’m A Believer“ (hier in seiner eigenen Version) auch einen der größten Hits der Monkees und wer kennt nicht UB 40s Version von „Red Red Wine“ aus den 80ern. Bis Anfang der 80er folgte Hit auf Hit. Das fängt hier mit dem bereits erwähnten „Solitary Man“ an und hört mit Heartlight von 1982 (sein letzter Top 10 Hit) auf. Dazwischen hatte er über 30 Hits wie „Sweet Caroline“, „Cracklin‘ Rosie“, „I Am … I Said“, „Song Sung Blue“, „Beautiful Noise“ oder „Forever In Blue Jeans“, um nur ein paar zu nennen.

Natürlich sind auch Diamond-typische Schnulzen „wie z.B. „You Don’t Bring Me Flowers“ mit Barbara Streisand enthalten, die definitiv nicht nach meinem Geschmack sind. Wegen der persönlichen Highlights wie „I am … I Said“ (die Single war das Start Up meiner Sammlung!) und den produktionstechnisch total abgefahrenen und spannend aufgebauten „Soolaimon“ und „Crunchy Granola Suite“ kann ich darüber aber locker hinwegsehen.

Von der Ausstattung und der Optik ist das Boxset sehr gelungen. Das Booklet der Longbox (es gibt auch kleinere Versionen des Sets) bietet neben vielen Fotos auch einen langen Text über Diamonds Karriere, Produktionsnotizen, eine Album-Diskographie, Chart-Platzierungen der Singles sowie persönliche Anmerkungen Diamonds zu jedem Song.

Viel besser geht es eigentlich nicht.

Kaufen kann man diese Box leider nur noch Second Hand!

Zoff – Hallo Deutschland (p) 2004

Ich weiß, ich bin spät dran mit dieser Rezension, aber Zoff haben sich ja auch Zeit gelassen! Zeitsprung zurück in die die 80er: Vo-Ku-Hi-La-Frisuren, neonfarbene Klamotten und natürlich die NDW. Und während alle Spaß haben wollen, mit der Rosemarie den Mussolini tanzen oder in den hohen Bergen 99 Luftballons steigen lassen, taucht plötzlich diese Band aus dem Sauerland auf.

Es werden drei richtig geile Alben produziert, das erste wird sogar mit dem Preis der Deutschen Phono-Akademie ausgezeichnet und die Band wird von Ralph Siegels Plattenfirma Jupiter-Records unter Vertrag genommen.

Offenbar war der Schlagerfuzzi aber nicht der richtige Manager für eine Rockband und dies führte dann wohl zur Auflösung von Zoff. Nomen est Omen…..

Was blieb, war zumindest der Hit „Sauerland“, der sich auch Jahre später auf irgendwelchen „Feten“-Samplern wiederfand. Für die Fans blieb nur die Erinnerung und die alten LPs mit so starken Songs wie „Gimme Gummi“, „Kein Geld kein Money“, „Total Banane“ oder „Faxen machen“.

Aber irgendwann muss es den Mastermind Reiner Hänsch doch wieder in den Fingern gejuckt haben. War es der Druck der Fans, ein finanzieller Engpass oder eine Schnapsidee an der Theke? Völlig egal! Plötzlich, nach 20 Jahren, stand eine neue Zoff-CD im Regal!

2004 kam dieses Riesenalbum mit 13 richtig guten Rocksongs heraus. Das ist natürlich kein Metal oder Hardrock, aber genau die richtige Kneipenmusik mit witzigen, ironischen Texten in denen Hänsch ganz genau weiß, wovon er singt. Hin und wieder gibt es dann auch mal ein paar feine Überraschungen. Achtet mal auf das sagenhafte Saxophon-Intro von „Männer & Fraun“. Und dann die Texte! Oberflächlich immer wieder die typisch männlichen Machosprüche. Und doch kriegt er jedesmal die Kurve, witzig und pointiert. Und spätestens beim zweiten Durchhören summt man(n) und Frau mit, beim dritten Durchlauf singen beide mit.

Fazit: es muss nicht immer Grönemeyer oder gar Westernhagen sein, dies ist eine sagenhaft gute Scheibe!!

Und wer auf den Geschmack gekommen ist, der darf sich ruhig am Back-Katalog der Band austoben! Es lohnt sich!!

 

Lana Lane – Covers Collection (p) 2003

Da klicke ich mich so durchs Internet und stolperte bei Amazon im wahrsten Sinne des Worte rein zufällig über die Rezension einer mir völlig unbekannten CD. Das klingt ja interessant denke ich mir und bestelle mir die Scheibe. Nach zwei Tagen trifft der Silberling ein, wird im Player plaziert und …..bleibt dort für die nächsten Tage!

Mein erster Gedanke: Was ist das denn? Eine Frauenstimme, mal laut (und wie!), dann wieder schnurrend und leise, das es dem Macho in uns Männern die Nackenhaare kräuseln lässt. Begleitet von einer Wahnsinnsband knallt einem ein Sound um die Ohren, das man sich wirklich die Ohren reibt. Aber kommen wir zunächst einmal zu den Fakten:

Lana Lane ist eine amerikanische Sängerin die bereits 18 Alben herausgebracht hat, sie bewegt sich irgendwo zwischen Pop, Synphonic-Rock und Progressiv-Metal.

Auf dieser CD finden sich (wie der Titel es vermuten lässt) aussschliesslich Cover-Versionen. Eine interessante Mischung aus bekannten Songs, Mega-Klassikern und völlig unbekannten Perlen. Wir hören den Zeppelin-Klassiker „Kashmir“, die Sorpions-Ballade „Still Loving You“ und den Rainbow -Hammer „Stargazer“. Aber auch das (zumindest mir) völlig unbekannte „Soaring“ von Aviary, einer Band aus Seattle

Und das alles wird zu keinem Zeitpunkt langweilig oder wirkt abgedroschen. Es gelingt Lana und der Band durch die Kraft der Stimme und den druckvollen und variablen Arrangements den Stücken neues, eigenes Leben einzuhauchen. Und selbst Freddie Mercury kann ruhig im Grab liegen bleiben, wenn Lana sein „Don’t Try So Hard“ anstimmt.

Ich würde ja gerne etwas zur Band sagen, aber sorry: keiner der Namen sagt mir etwas. Da habe ich offensichtlich etwas verpasst, denn die Jungs spielen absolut und unwiderstehlich g…..!!!!

Es hauen Euch auf die Ohren:

Lana Lane (vocals)
Erik Norlander (keyboards, bass, guitar)
Mark McCrite (guitar)
Gregg Bissonette (drums)
Tony Franklin (bass)

sowie auf einzelnen Stücken

Novi Novog (viola)
Cameron Stone (cello)
Arjen Lucasson (guitar)
Neil Citron (guitar)
Gabriel Moses (guitar)
Nick D’Virgilio (drums)
Ed Warby (drums)

Das diese Frau hier so unbekannt ist und solche Eintagsfliegen wie Thomas Godoj, Mark Medlock oder auch Monrose in das Bewußtsein der Fans geprügelt werden, gehört wohl zum Wahnsinn des Showbiz.

Wie schreibt die englische Wikipedia:
„She sings modern music with both a graceful lilt and a commanding, stadium-sized voice of impressive range and power.“
Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen, es sei denn:

KAUFEN, KAUFEN; KAUFEN und an die Nachbarn denken!