Ein Song fehlte!

Herbert Grönemeyer

Mittendrin Akustisch 2026

10.02.2026, Barclays Arena, Hamburg

Es ist in diesem Jahr 40 Jahre her, das wir mit der Wahl unseres Hochzeitsliedes zumindest in meiner Familie für schwere Irritationen sorgten! „Der kann doch gar nicht singen… man versteht von dem Genuschel doch nichts… hätte Schauspieler bleiben sollen…“ usw.usw. „Der“ war natürlich Herbert Grönemeyer und sein Song „Nur noch so“ vom Album „Sprünge“ aus dem Jahr 1986 wurde unser Song.

Vierzig Jahre später ist Herbie mit rund 21 Millionen verkauften Tonträgern der erfolgreichste zeitgenössische deutsche Musiker… und wir sind noch immer verheiratet.

Ob das nur an dem Song lag? Vermutlich nicht…

Als uns nun Freunde fragten, ob wir mit ihnen zu Grönemeyer gehen wollten, gab es keine Diskussion!

Als langjähriger Fan von Herbert Grönemeyer ist es kaum möglich, die Eindrücke eines seiner Konzerte in Hamburg zu beschreiben, ohne in Erinnerungen zu schwelgen.

Wir hatten ihn unter andererm im Stadtpark und in Bahrenfeld jeweils Open Air gesehen, der heutige Abend sollte die vorhergehenden Konzerte jedoch weit übertreffen!

Die Atmosphäre in der ausverkauften(!) Barclays Arena ist stets elektrisierend, und an diesem Abend, der um 20:09 Uhr begann, war es wieder einmal so weit: Herbert bahnte sich seinen Weg durch das begeisterte Publikum, das ihn schon vor dem ersten Ton mit Ovationen begrüßte. Die Fans, darunter auch wir, spürten sofort, dass wir Zeugen eines besonderen Abends werden würden.

Der Auftakt mit „Unfassbarer Grund“ aus dem Album „Schiffsverkehr“ war ein emotionaler Moment. Die Art, wie Herbert mit seiner Band und dem Kammerorchester die Bühne füllte, zeigte, dass hier ein Künstler am Werk war, der seine Musik lebt und liebt. Besonders beeindruckend war die akustische Neugestaltung seiner Klassiker, bei der klassische Instrumente wie Geigen, Celli, Kontrabass, Posaune, Saxofon und Trompete die dominierende Rolle spielten. Herbert selbst saß oft am Flügel, und bei „Männer“ griff er sogar zur Ukulele!

Die Tour „Mittendrin – akustisch“ zeigt, dass er nicht nur auf die bewährte Rockmusik setzt, sondern auch auf Tiefe und Gefühl. Das Publikum spürt, dass hier kein bloßer „Best-of“-Abend gespielt wird, sondern ein echtes Experiment, das Mut und Kreativität erfordert. Als die ersten Takte von „Glück auf, der Steiger kommt“ erklangen, war die Stimmung im Saal kaum zu überbieten. Das Lied „Bochum“ ist für immer wieder ein emotionaler Höhepunkt, weil es die Verbindung zu seiner Heimatstadt symbolisiert. Fast 14.000 Besucher singen inbrünstig: „Bochum, ich komm’ aus dir, Bochum, ich häng’ an dir“, auch wenn viele die Stadt nur von Autobahnschildern kennen. Dieses Gemeinschaftsgefühl ist schon sehr cool!

Der gestrige Abend in Hamburg war ein Beweis für Herbert Grönemeyers unermüdlichen Arbeitsethos. Fast drei Stunden lang gab er alles, blieb präsent in jeder Sekunde. Es ist bewundernswert, wie er mit fast 70 Jahren noch so viel Energie auf die Bühne bringt. Er tanzt, springt, singt, bittet sogar zum „Schulterwalzer“.

Dabei lässt er auch Einblicke in seine Arbeit mit Orchester, Chor und Band zu, was zeigt, wie sehr er an jedem Detail arbeitet. Seine Aufforderung an den Chor, „schön gerade zu singen“, und sein humorvolles Kommentar, „Das macht die Band ja auch nicht“, wirken sehr bodenständig.

Was Herbert Grönemeyer für mich ausmacht, ist seine Authentizität. Er wirkt nicht wie ein Superstar, der nur auf den Erfolg aus ist, sondern wie ein Mensch, der für seine Fans lebt. Seine Appelle, die Demokratie zu verteidigen und sich gegen Rechtspopulismus zu stellen, kommen ehrlich rüber. Seine Reaktion auf kleine Missgeschicke, wie das Vergessen einer Strophe oder ein verpasster Einsatz, zeigen seine Menschlichkeit. Statt peinlich berührt zu sein, nimmt er es gelassen, und sein Gitarrist wiederholt dann eben den Einsatz noch einmal…

Der Höhepunkt des Abends waren die Zugaben. Nach dem regulären Ende mit „Zeit, dass sich was dreht“ – einem Song, der auch nach fast 20 Jahren nichts von seiner Kraft eingebüßt hat – spielte Herbert noch drei Zugabenblöcke mit insgesamt zwölf Songs. Für mich persönlich war es ein Fest der Klassiker: „Männer“, „Was soll das“, „Flugzeuge im Bauch“ und natürlich „Mambo“, bei dem sogar der Chor im Schatten der Bühne im Rhythmus mittanzte.

Im letzten Zugabenblock ließ der dann langsam die „Luft“ raus: während die Band schon Feierabend hatte, spielte er zunächt nur noch mit Chor und Kammerorchester, dann nur noch mit dem Kammerorchester, um schließlich solo am Klavier den Abend mit „Der Mond ist aufgegangen“ zu beenden.

Rund drei Stunden waren wie im Flug vergangen! Und wer weiß, vielleicht gönnen wir uns nächstes Jahr einen Nachschlag?

Und vielleicht spielt er dann ja auch „Nur noch so“?

Setlist

  • Unfassbarer Grund
  • Das ist los
  • Sekundenglück
  • Flieg
  • Steigerlied
  • Bochum
  • Deine Hand
  • Doppelherz
  • Glück
  • Herzhaft
  • Dort und hier
  • Flugzeuge im Bauch
  • Der Weg
  • Fall der Fälle
  • Turmhoch
  • Demo (Letzter Tag)
  • Alkohol
  • Mensch
  • Mein Lebensstrahlen
  • Zeit, dass sich was dreht

Zugabenblock 1

  • Was soll das
  • Fang mich an
  • Unterwegs
  • Männer

Zugabenblock 2

  • Kopf hoch, tanzen
  • Mambo
  • Warum
  • Morgen

Zugabenblock 3

  • Neuer Tag
  • Halt mich
  • Immerfort
  • Der Mond ist aufgegangen