Die Feisten
Moskito
29.10.2026, Musikhalle, Hamburg
Auf diesen Titel muss man erst einmal kommen…
Im Internet bin ich natürlich schon über den viralen Hit „Junggesellenabschied“ gestolpert. Als nun die beste Ehefrau von allen mit dem „Tipp“ von der Arbeit nach Hause kam, genügte ein kurzer Blick in die Konzertankündigungen und die Karten wurden bestellt. Damit waren wir jetzt hintereinander in zwei Comedy-Veranstaltungen. Wenn die Zeiten schon nicht zum Lachen sind…
Dann sitzen Matthias Zeh und Rainer Schacht von Die Feisten auf der Bühne in einem virtuellen Auto. Schacht spielt die Beifahrerin und sagt ständig: „Fahr nicht so schnell.“ Oder: „Grüner wird’s nicht.“ Schließlich ruft Zeh: „Fresse halten!“ Schacht schweigt. Auch als die Zapfpistole nach dem Tanken noch im Auto steckt. Dann steigt er grinsend aus, als es knallt.
Paarkonflikte gehören zum Programm vieler Comedians. Aber nur wenige zeigen sie so gut. Die Feisten verbinden kluge Texte mit Musik. Zeh und Schacht wechseln in der Laeiszhalle oft die Instrumente: Gitarre, Mandoline, Sitar, Ukulele, Bass-Box und Udu. Sie sorgen für viel Abwechslung.
Zeh und Schacht aus Göttingen gehören seit Jahrzehnten zu den bekannten Künstlern der deutschen Kleinkunst. Bis 2013 traten sie mit anderen unter dem Namen „Ganz schön feist“ auf. Danach machte das Duo unter dem Namen Die Feisten weiter. 2017 erhielt es den Deutschen Kleinkunstpreis.
Und die Fans halten ihnen offenbar die Treue. Laut Hamburger Abendblatt war die die Laeiszhalle wieder ausverkauft. Die meisten Besucher gehören (wie wir) ebenso wie Schacht und Zeh zur Babyboomer-Generation. Und offenbar haben manche von ihnen (oder uns?) Probleme mit dem Alter. Zum Beispiel fühlen sie sich am Baggersee beobachtet, wenn sie keine Tätowierungen zeigen. Das konnte ich gut nachvollziehen! Im Lied singen sie deshalb zur Melodie von „Guantanamera“: „Ich bin ein Untätowierter.“
Die Feisten machen sich auch über ihr Leben als Vegetarier lustig. Bei einer Party grillen sie Tofuwurst. Der Grillmeister ruft: „Eure Türstopper sind fertig!“… wie recht der Grillmeister hat 😊
Beide tragen auch stolz eine Glatze. Deshalb singen sie: „Ich habe zwar keine Haare, aber eines ist klar: Ich bin kein Nazi, ich bin Vegetarier.“
Dann singen Schacht und Zeh „Familienfest“. Das Lied handelt von der allseits bekannten, aber ungeliebten Familienrunde. Dabei sind ein rauchender Onkel, eine Cousine, die auf Tinder betrogen wird, und eine Tante, die zu viel Jägermeister und Medikamente nimmt. Dazu gibt es den ganzen Tag Essen (Schweinebauch mit brauner Soße!).

Auch „Junggesellenabschied“ gehört zum Programm. Das Lied wurde millionenfach im Internet gestreamt. Es geht um eine Party für Menschen über 50, die noch einmal richtig feiern wollen. Doch alle haben Beschwerden: Rücken, Magen oder Hämorrhoiden. Sie sprechen nur über die männliche Prostata. Die Party wirkt langweilig. Am Ende verteilt ein Gast Cannabis-Pillen, die ihm ein Arzt verschrieben hat. Dann singt die Gruppe: „Enten haben keine Ohren.“
Aber wir hatten Ohren und es hat insgesamt Spaß gemacht. Auch wenn nicht jede Pointe saß und mir ein wenig die Interaktion mit dem Publikum gefehlt hat (vieles wirkte sehr routiniert und einstudiert…?), letztlich war es ein kurzweiliger Auftritt von knapp zwei Stunden und wir wurden gut unterhalten. Und das ist letztlich alles was zählt!
Wer von den beiden tatsächlich noch nie etwas gehört hat, einfach mal auf YouTube vorbeischauen. So wie hier: