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Das war Spaß pur

Pur

Persönlich – Unter freiem Himmel“-Tour

29.08.2024, Stadtpark Open Air

Für bestimmte Bands oder Künstler muss man wohl ein gewisses Alter erreicht haben, bevor man sich in ihre Konzerte traut…

Eines dieser Beispiele war (bereits etwas länger her…) Kiss. wenn auch mit völlig umgekehrten Vorzeichen.

Und heute standen wir dann bei Pur. Freunde (und Pur-Fans seit Jahren!) hatten auf Verdacht vier Karten gekauft und neugierig bin ich ja immer noch.

Ich versuche es mal etwas kürzer zu machen, auch weil ich garantiert kein Pur-Fan mehr werde!

Batomae

Als Support spielte Batomae (David Müller), der ehemalige Bassist der Band Luxuslärm. Da war nicht meine Musik. Deutscher „wir-haben-uns-alle-lieb“-Pop, vielleicht geeignet für ein Sommerfest im Waldorfkindergarten. Wenn er den Auftritt mit einem Stuhlkreis und „Kumba Ya“ beendet hätte… ich wäre nicht verwundert gewesen.

Pur

Inhaltlich ging es dann mit Pur ähnlich weiter, musikalisch aber um Längen besser. Die Band, die an diesem Abend auf der Bühne stand, war wirklich gut. Das klang alles sauber und druckvoll. Ob Schlagzeug, Akkordeon oder Lead-Gitarre… da gab es nichts zu kritisieren. Man muss die Musik halt mögen.

Unabhängig davon hatte ich das Gefühl, Pur haben ihre stärksten Momente, wenn sie Geschichte erzählen. Sobald es an allgemeine Themen geht, ist es mir einfach zu seicht und überschreitet die Schlagergrenze ohne zu zögern.

Hartmut Engler als Frontman machte auch einen sehr guten Job. Obwohl er an Arthrose in beiden Knien leidet und daher nicht mehr über die Bühne toben kann, weiß  er nach so vielen Jahren ganz genau, wie er seine Fans ansprechen muß und die Rituale funktionieren einwandfrei. Für viele war es definitiv auch nicht das erste Pur-Konzert. Ich habe selten ein so textfestes Publikum erlebt!

Pur feat. Max Giesinger

Gab es für mich Höhepunkte? Na klar! Der Einstieg mit „Wir sind immer noch da“ war perfekt. „Bitte lieber Gott“ ist eigentlich nicht mein Ding, aber das Zwischenspiel! Da hatte jemand sehr genau bei den alten Genesis hingehört. Klang live sehr gut!

Wirklich sehr berührend!

Ein richtig anrührender Song war „Wenn sie diesen Tango hört“, eine Geschichte über Hartmut Englers Mutter.

Wunderkerzen war früher….

„Indianer“ fand ich als Song und Textidee schon immer gut. Dann war da noch der starke Gastauftritt von Max Giesinger und „Ich lieb Dich“ konnte ebenso live überzeugen wie am Ende „Lena“.

Fazit:

Es war ein wirklich gutes Konzert das auch richtig Spaß gemacht hat. Als Pur-Fan konnte und musste man begeistert sein (und die meisten Zuschauer waren auch Fans 😎  )!

Die Spielzeit war für den Stadtpark schon ziemlich lang, die Band startete gegen 19:20 und das Konzert endete (wie im Stadtpark üblich!) kurz vor 22:00 Uhr. Das war schon eine Menge Musik für die relativ günstigen Eintrittspreise!

Und ich kann jetzt auch über Pur mitreden. Ob es ein zweites Mal geben wird?  Man soll ja nie nie sagen!

Setlist
  • Wir sind immer noch da
  • Persönlich
  • Freunde
  • Voll sein
  • Bitte lieber Gott
  • Laune
  • Prinzessin
  • Seiltänzertraum
  • Hör gut zu
  • Wenn sie diesen Tango hört
  • Guter Stern
  • Bis der Wind sich dreht / Brüder / Herzbeben / Wenn du da bist / Lied für alle Vergessen
  • Indianer
  • Funkelperlenaugen
  • 80 Millionen (mit Max Giesinger)
  • Abenteuerland (mit Max Giesinger)
  • Ich lieb‘ Dich (egal wie das klingt)
  • Hab‘ mich wieder mal an Dir betrunken

Zugabe:

  • Drachen sollen fliegen (mit Jessica Kessler)
  • Ein graues Haar

Zugabe 2:

  • Zu Ende träumen
  • Lena
In Hamburg sagt man tschüss!

Die Zeitmaschine

The Musical Box

31.10.2014, SEBTP-Tour 2014, Glocke, Bremen

„Can You Tell Me Where My Country Lies?…

Plötzlich ist alles wieder da:

Die Diskussionen auf dem Schulhof über diesen oder jenen Riff, welcher Song auf welcher LP, Genesis oder Yes und „…hast Du schon auf der zweiten Seite den dritten Song…?“…

Ein paar Monate zuvor, beim Mittagstreff im Bistro, die hingeworfene Frage: habt ihr Lust? The Musical Box in Bremen, Genesis-Cover-Band, sind wirklich gut!

Na klar hatte ich Lust! Bei den ehemaligen Klassenkameraden überwog die Zustimmung ebenfalls, lediglich eine Minderheit grummelte etwas von Beamtenpop…

Der Irrtum konnte schnell aufgelöst werden. Es ging nicht um die Musik der Phil-Collins-Genesis, sondern um die einzig echte und wahre Genesis mit Peter Gabriel!

The Musical Box ist eine Band, die detailgetreu die Konzerte dieser Formation zwischen 1972 und 1976 rekonstruiert und live aufführt. Sie ist die weltweit die einzige Band, die dazu jemals eine offizielle Lizenz von Genesis und Peter Gabriel erhalten hat.

The Musical Box

In der nicht ganz ausverkauften Glocke in Bremen fanden wir unsere Plätze direkt hinter dem Mischpult… Gottseidank war der Saal nicht ganz ausverkauft. So setzten wir uns, nachdem das Licht erlosch, ein paar Reihen nach vorne. Das wäre sonst ein Grund zum Ärgern gewesen. Aber was soll’s!

Mit dem einsetzenden Mellotron („Watcher Of The Skies“) war das alles vergessen und mit dem sich steigernden Rythmus kamen die Erinnerungen (s.o.)!

Das war (oder besser ist!!!) eine Musik, wie sie vermutlich nie wieder in dieser Form geschrieben wird. In immer neuen Wendungen, Breaks und Stimmungswechseln entstehen Klangbilder, die sich in kein Stilkorsett zwängen lassen. Das alles wurde seinerzeit unter der Headline „Progressive-Rock“ vermarktet und mit dem aufkommenden Punk gegen Ende der 70er Jahre respektlos zu Grabe getragen.

„Selling England by the Pound“ gehört zu den einflussreichen Progressive-Rock-Alben aller Zeiten und als Genesis 1973 damit auf Tournee gingen, hatten sie fast den Gipfel dieser Phase erreicht… mit dem „Lamb-Lies-Down“-Album sollte noch ein letzter Höhepunkt (bezogen auf diese Phase der Band!) folgen.

Zurück zum Konzert: was viele Coverbands nicht erreichen oder auch nicht erreichen wollen, gelingt „The Musical Box“. Es ist die perfekte Illusion. Diese virtuosen kanadischen Musiker erzeugen eine Magie(?), in der man bereits nach wenigen Minuten glaubt, die „echten“ Genesis wären mit einer Zeitmaschine aus der Vergangenheit geholt worden. Hier stimmt fast alles: Licht, Sound, Kostüme, Gestik und sogar die Ansagen von „Peter Gabriel“ klingen authentisch. Die Setlist ist natürlich ebenfalls 1:1 der damaligen Original-Tournee abgeschaut:

Setlist:

  • Watcher of the Skies
  • Dancing With the Moonlit Knight
  • The Cinema Show
  • I Know What I Like (In Your Wardrobe)
  • Firth of Fifth
  • The Musical Box
  • Horizons
  • The Battle of Epping Forest
  • Supper’s Ready

Zugabe

  • The Knife

Mit dem letzten Akkord der Zugabe wurde diese Illusion auch durch die Band aufrechterhalten. Es folgte weder eine Vorstellung der wahren Musiken noch eine durchaus angebrachte Widmung den Originalen.

„Peter Gabriel“ (Gesang, Querflöte, Oboe), „Tony Banks“ (Keyboard, Gesang), „Phil Collins“ (Schlagzeug, Perkussion, Gesang), „Steve Hackett“ (Gitarre) und „Mike Rutherford“ (Gitarre, Bass, Sitar) entschwanden ohne ein Wort.

Vielleicht wartete die Zeitmaschine…

….said the unifaun to his true love’s eyes.“