Jetzt zu etwas völlig anderem…

Reinhard Mey
Das Haus an der Ampel-Tour 2022

14.10.2022, Barclay-Arena, Hamburg„Du hörst Reinhard Mey??“ oder „Lebt der noch??“

Das waren die ersten Reaktionen am Wochenende, nach dem ich Bekannten erzählt hatte, wo wir am Freitag waren. Es ist doch schon erstaunlich, wie man auf der einen Seite von den Mitmenschen wahrgenommen wird und wie wenig sich andere Menschen wirklich für Musik interessieren.

Wenn ich mich outen muss, okay: ich höre seit ziemlich genau 50 Jahren Reinhard Mey, damals bekam ich die DoLP „Reinhard Mey – Live“  in die Hände und erlebte zum ersten Mal, dass deutsche Musik auch mit richtigen Texten und Geschichten gemacht werden konnte. Auch wenn der Stil von Rock-Musik weit entfernt war.

Und wer sich für Musik interessiert, dem wird auch nicht entgangen sein, dass Reinhard Mey seit Jahren regelmäßig neue Alben herausgebracht hat. Die werden natürlich nicht auf NDR2 oder RSH gespielt.

Diese Tour sollte (wie so viele) früher stattfinden und wurde aufgrund der Pandemie verschoben. Der aktuelle Termin wurde deshalb auch kaum beworben oder in der Presse beachtet, in Hamburg fand ich keinen Artikel über das Konzert.

Vielleicht war das auch der Grund, dafür dass ich knapp 14 Tage noch zwei gute Karten ordern konnte.

Pünktlich um 19:00 Uhr standen wir dannn vor der Barclays-Arena in der gesitteten Schlange, die sich in einer ordentlichen Doppelreihe in einer Länge von ca. 400 Metern vor den Einlasskontrollen gebildet hatte. Habe ich so in dieser Form auch noch nicht erlebt.

Pünktlich um 20:00 Uhr kam Reinhard Mey dann auf die Bühne, wie immer nur er und seine Gitarre. Der Bitte, keine Handyaufnahmen während des Konzertes zu machen, kamen fast alle der 4300 Besucher nach. Dadurch wurde es ein sehr intimes und intensives Konzert. Es ist schon ein Unterschied, wenn man sich für zwei Stunden auf die Musik und den Musiker konzentrieren kann und nicht überall Handys in die Höhe gehalten werden.

Sein Programm war mit neuen und älteren Songs bestückt. Natürlich durften die absoluten All-Time-Klassiker wie „Ich wollte wie Orpheus singen“, „Über den Wolken“ und „Gute Nacht, Freunde“ nicht fehlen. Mit „Dieter Malinek, Ulla und ich“ gab es auch einen etwas unbekannteren Titel im Repertoire.

Daneben gingen die neuen Songs ebenso unter die Haut wie die alten. In „Gerhard und Frank“ geht es um eine echte Freundschaft und das sperrige Thema Sterbehilfe – ein Gänsehaut-Lied. Und die Hundefreunde werden „Häng dein Herz nicht an einen Hund“ lieben – vermute ich als Nicht-Hundehalter zumindest! 😉

Reinhard Mey
(mehr war mit meiner Kamera heute nicht drin…)

Was mir auffiel: Reinhard Mey hielt sich mit politischen Aussagen zurück und konzentrierte sich in den Titeln auf zwischenmenschliche Themen. Einzige Ausnahme: im Zusammenhang mit seinem Lied „Glück ist, wenn du Freunde hast“ (und damit völlig politisch unkorrekt nicht „Glück ist, wenn du Freund*innen hast“ formuliert) liess er uns auf seine eher zurückhaltende und feinfühlige Weise teilhaben: „Ich gendere mich hier noch um Kopf und Kragen“…

Nach ziemlich genau zweieinhalb Stunden (inkl. einer Pause) war dieser beeindruckende Auftritt dann beendet. Selten habe ich ein intensiveres Konzert erlebt. Ich glaube nicht, dass es nur an den fehlenden Handys lag…

Und um auf die zweite Frage (s.o.) zu antworten:

Ja, er lebt noch! Und wie!!!

Hier die Setlist:

Set 1:

  • Ich wollte wie Orpheus singen
  • Spielmann
  • Das Haus an der Ampel
  • In Wien
  • Alter Freund
  • Glück ist, wenn du Freunde hast
  • Die erste Stunde
  • Dann mach’s gut
  • Wir haben jedem Kind ein Haus gegeben
  • Häng dein Herz nicht an einen Hund

Set 2:

  • Ich liebe es, unter Menschen zu sein
  • Dieter Malinek, Ulla und ich
  • Weißt du noch, Etienne?
  • Der Vater und das Kind
  • Ich liebe dich
  • Männer im Baumarkt
  • Zimmer mit Aussicht
  • Gerhard und Frank
  • Was will ich mehr

Zugabe:

  • Über den Wolken
  • Viertel vor Sieben
  • Gute Nacht, Freunde