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In Blues We Trust – Full Flavour Blended

Zucchero

26.10.2016, Live 2016-Tour, Barclaycard Arena, Hamburg

Nachdem dieses Jahr schon fast vorbei gegangen ist und ich auch in Sachen Live-Musik nicht sehr aktiv war, stand mit Zucchero ein absolutes Highlight auf dem Terminplan.

Ich habe wirklich keine Ahnung, wie man Zucchero nicht kennen kann, aber es gibt offenbar in unserem Stromlinien-Radio keinen Platz mehr für etwas eckigere Sänger. Mit seiner Blues-Gospel-Rock-Mischung ist der, in Italien wie ein Gott verehrte, Sänger weit von den gängigen Italo-Pop-Klischees entfernt. Auch wenn seine Superhit „Senza Una Donna“ eigentlich allen Pop-Fans bekannt sein müsste, so ist Adelmo Fornaciari eher ein Blues-Fanatiker mit Pop-Sensibilität, der außerdem schon Kaliber wie John Lee Hooker, Sting, Eric Clapton, Luciano Pavarotti, U2, The Scorpions oder Ray Charles auf seinen Alben versammelte.

Die Barclaycard-Arena war nicht ganz ausverkauft und die oberen Seitenränge sogar abgehängt, als wir von der netten Platzanweiserin zu unseren Plätzen geführt wurden. Das war auch mal wieder eine neue Erfahrung… Platzanweiser in einem Rock-Konzert!

So saßen wir dann altersgerecht (:-)) in mitten eines sehr gemischten Publikums und die Show begann.

Die Bühne beherrschte ein hallenhohes Herz inclusive Videowand, links stand eine Highway-Werbetafel, rechts ein Western-Förderturm auf dem die Bläsersektion saß. Insgesamt hatte Zucchero dreizehn Musiker und Musikerinnen mitgebracht. Um es vorweg zu nehmen: alle waren unglaublich gut! Da saß jeder Akkord, alle Einsätze kamen auf den Punkt und es machte unglaublich Spaß, dieser Band von Ausnahmemusikern zu zuhören!

Brian Auger:
Britischer Rockorganist, einer der bedeutendsten Fusionorganisten der populären Musik.

Ganz links außen saß zum Beispiel ein älterer Herr an der Hammond-Orgel, der mich irgendwie an Brian Auger erinnerte… und siehe da: Zucchero stellte ihn im Laufe des Abends als seinen „special friend“ Brian Auger vor! Und was Mr. Auger mit seinen 77 Jahren aus der Hammond raushaute… Respekt! Dann war da noch die Drummerin der Prince-Band, Queen Cora Dunham und nicht zu vergessen Tonya Boyd-Cannon: die amerikanische Vollblutmusikerin war der Hammer! Eine Stimme, die durch Mark und Bein gehen kann und dann wieder schnurrt wie ein Kätzchen. An den Keyboards eine Macht (Solo-Nummer „Rock Me Baby“) und angeblich spielt die ehemalige Gefängniswärterin (!) und „The Voice“-Teilnehmerin (USA) auch noch Saxophon.

Das Konzert war in drei Teile („Chapter 1-3“) unterteilt. Im ersten Teil wurde das aktuelle Album „Black Cat“ durchgespielt, einmal komplett vom ersten bis zum elften Titel. Ich gebe es zu, das musste ich auch erst einmal nachlesen. Ich kannte das Album noch gar nicht, trotzdem kam dieser Teil der Show sehr gut an, denn die Songs funktionieren einfach gut. Aktuell (während ich dies schreibe…) dröhnt „Partigiano Reggiano“ durch die Boxen (dank Amazon!) und die Bilder des Konzertes tauchen sofort im Gedächtnis auf, genial!

Im zweiten Teil gab es eine bunte Mischung von Songs, die vermutlich zu den Favoriten Zuccheros zählen. Darunter auch „Un Soffio Caldo“ von „Chocabeck“ mit englischer Übersetzung auf der Videowand und das klassische „Miserere“, bei dem der unvergleichliche Pavarotti via Großbildleinwand aus dem Gesangs-Himmel zugeschaltet wird.

Und schließlich folgte im dritten Teil dann das „Best Of Zucchero“: alle noch fehlenden Hits und endlich durfte auch durchgehend getanzt werden. Wenn es nach Zucchero gegangen wäre, hätten die Zuschauer womöglich ständig stehen und klatschen oder sonst wie mitgehen dürfen. Der 61jährige wirkte auf mich wesentlich lebendiger als viele der Zuschauer, die dann doch immer wieder auf die Stühle zurücksanken. Vielleicht lag es auch an der Dauer des Konzertes? Nach echten zweieinhalb Stunden Spielzeit (wenn auch durch die Solos von Brian Auger und Tonya Boyd-Cannon etwas gestreckt) mussten einige Zuschauer hin und wieder eine kurze Pause einlegen.

Spaß ohne Ende

Ein Fazit erübrigt sich nach diesem Text eigentlich! Es war ein wirklich tolles Konzert, das mir erneut bewiesen hat: es gibt Musik außerhalb der üblichen Schubladen. Es war kein reines Rock- und auch kein verkniffenes Blues-Konzert. Und mit der üblichen Popmusik hatte es eigentlich auch nichts zu tun. Es war einfach tolle Musik von großartigen Musikern vor einer fantasievollen Kulisse!

Davon kann es nie genug geben!

The Party Is Over
Pressestimmen

Fast neutral!

Wir haben einen Vollblut-Italiener zum Zucchero-Konzert geschickt

(Quelle: www.mopo.de)

Zucchero, der wohl bekannteste italienische Blues-Barde, ist in seiner Heimat ein Held. Der Sänger, Baujahr 1955, arbeitete mit Brian May, Sting, Macy Gray und Bono zusammen. Er spielte im Moskauer Kreml und der Royal Albert Hall. Am Dienstag trat Zucchero in Hamburg auf. Wir haben unseren einzigen italienischen Reporter hingeschickt. Der knüppelharte Arbeitsauftrag für unseren Vollblut-Italiener: Schreibe einen neutralen Text. Das ist das Ergebnis:

Ich kneife die Augen noch einmal zusammen, kann es selbst kaum glauben: Adelmo Fornaciari alias Zucchero ist in Hamburg und gerade im Begriff, die Barclaycard Arena zu rocken. Mit klopfendem Herzen verfolge ich jeden einzelnen Schritt des italienischen Blues-Meisters. Eine lebende Ikone, einer der größten Pop-Artisten überhaupt.

Lässig, mit Jeans und Turnschuhen tritt er auf die Bühne, lässt seine Melodien für ihn sprechen. Er weiß genau, wie das geht. Bereits im Sommer begeisterte er mit seiner neuen Platte „Black Cat“ die italienische Halbinsel: Mehr als 115.000 Zuschauer strömten für seine elf Konzerte in die „Arena di Verona“, da wo dieser Bürger von Welt wirklich heimisch ist. Seit dem 1. Oktober reist er durch Europa für seine „Black Cat World Tour“. Nach Stuttgart und Oberhausen war nun Hamburg als dritte deutsche Etappe an der Reihe.

Zucchero hat musikalische Generationen geprägt und verbunden. Einer dieser Sänger, die man sich gemeinsam mit Papa und Opa anhört. Wie gerne wäre ich 1994 in Woodstock dabei gewesen, als er dort live spielte und die Welt noch einmal auf seine Art rockte. Dafür ist der Hamburger Auftritt ein mehr als befriedigender Trost! Er ist zeit- und grenzenlos, gerade weil er in seiner künstlerischen Vermischung von Blues und Italo-Lebensgefühl einzigartig ist. Seine raue Stimme steht für kulturelle Vielfalt, erweckt aber gleichzeitig Zugehörigkeitsgefühle. Kein Zufall, dass er der erste abendländische Sänger war, der nach dem Fall der Mauer am Moskauer Kreml auftrat.

„Black Cat“ ist mal wieder ein Meisterwerk: Ein tiefsinniges Album, das Zuccheros musikalische Poetik zusammenfasst. Ein Mix aus Rythm & Blues, Rock, Gospel und Balladen. Von peppigen Tracks wie „Partigiano reggiano“ und „13 buone ragioni“ zu den sanften Melodien von „Ci si arrende“ und „Hey Lord“, werden Themen wie Liebe und Beziehungen, Nachkriegszeit und Migration mit einer beeindruckenden Leichtigkeit behandelt. Auch ohne die auf die Bataclan-Tragödie anspielende Ballade „Streets Of Surrender“, die von U2-Frontmann Bono geschrieben wurde, mangelte es also nicht an emotionalen Momenten. Den Erdbeben-Opfern in Mittelitalien wurde außerdem das Lied „Il suono della domenica“ gewidmet. Das Stück, ausnahmsweise mit englischen Untertiteln begleitet, sorgte inhaltlich und musikalisch für Gänsehaut pur auf den Tribünen.

Flott verwandelt sich die Rührung in tanzbesessenen Enthusiasmus, sobald die Glanznummern angekündigt werden: Purer Nervenkitzel, eine bombastische Kombi aus alten Klassikern wie „Baila“, „Diavolo in me“, „Senza una donna (Without a woman)“ und neuen Hits. Nicht zuletzt durch die geschickten Hände von Brian Auger (Hammond), die Power-Stimme von Tonya Boyd-Cannon und den Rest der Band wurden sogar die wenigen Lücken zu Solo-Shows der Extraklasse.

Zucchero macht mich stolz, Italiener zu sein, weil er sich zum Symbol und Vertreter eines musikalischen Vermögens erhebt, das was Konkretes zu sagen hat. Seine Botschaften dringen bis ins Herz und tief in die Seele der Menschen durch, ganz unabhängig von Herkunft und Konfession. Er kommuniziert auf einer ganz anderen Ebene, in einer universellen Sprache, die den Träumen Flügel verleiht.

Eine unschlagbare Stimmung dominierte das knapp dreistündige Fest in der gut gefüllten Arena komplett. Das war Italien pur mit einem Hauch von Black. Und am Ende hallten in der Arena magische, hoffnungsvolle Worte wider: „In blues we trust. Blues never dies.“

Ciao Zucchero, a presto!*

*Tschüs, Zucchero, bis bald!

Zucchero – nicht ohne „una donna

(Quelle: Jens Dirksen, Der Westen, WAZ.de vom 25.10.2016)

Mit Riesen-Band und Film-Pavarotti spielte Zucchero zum Auftakt seiner Deutschland-Tour vor 5000 Fans in Oberhausen.

Wer die italienische Gemeinde der Gegend möglichst vollständig versammeln möchte, holt sich am besten Zucchero auf die Bühne. Also waren sie am Montagabend zuverlässig da, in der bestuhlten Arena „Ober’ausen“, die Ragazzi und die Schönen, die am liebsten auf „Bella“ hören, über 5000 an der Zahl. Und als Adelmo Fornaciari um viertel vor elf seinen Steampunk-Hut auf den Mikrofonständer hängt, da war dieser Auftakt seiner Deutschland-Tournee bis hin zum unvermeidbaren „Senza una donna“ doch noch rund geworden.
Brian Auger an der Hammondorgel

Begonnen hatte es mit einem dicken Brocken: Zucchero und seine zwölf(!)köpfige Band spielten einmal komplett das neue Album „Black Cat“ vom ersten bis zum elften Titel durch. Das ging gut, obwohl so ein Live-Abend ja eigentlich dazu dient, Vertrautes in neuer Mischung zu hören – eher nach dem Juke-Box-Prinzip als im Plattenspielermodus. Aber „Black Cat“ ist kraftvoll und abwechslungsprall genug für eine 45-Minuten-Live-Fassung. Und die amerikanisch-kubanisch-italienisch-britische Combo, die sich der 61-jährige Zucchero da zusammengestellt hat, arbeitet mit traumhafter Geschmeidigkeit, von der Hammondorgel-Legende Brian Auger (77) bis zum Stimmschwergewicht Tonya Boyd-Cannon. Nur der Sound, der manchem zu laut vorgekommen sein wird, dürfte für ein größeres Publikum gedacht gewesen sein, für etwas größere Arenen.

Italiens amtierender Blues-König, der im Alter auch gestisch immer größeren Ehrgeiz beim Joe-Cocker-Ähnlichkeitswettbewerb entwickelt, hat sich für seine Auftritte zwischen der Arena von Verona (elfmal hintereinander) und den bulgarischen Nationalpalast in Sofia eine Freakshow-Bühne mit einem hallenhohen Herz in der Mitte bauen lassen, links eine abgerockte Destillerie-Werbetafel, rechts ein Western-Förderturm, auf dem die drei vom Turbo-Gebläse (inklusive Tuba!) ihre Gerätschaften schwenken. Das Schlagzeug ist doppelt besetzt (u.a. mit Queen Cora Dunham aus der Prince-Band), die Gitarre, sobald Zucchero selbst auch noch dazu greift, vierfach. Der Devise „bloß nicht zu wenig“ folgt erst recht das „Miserere“, bei dem der unvergleichliche Pavarotti via Großbildleinwand aus dem Gesangs-Himmel zugeschaltet wird.
Der Zausel und die Melancholie

Das letzte der drei „Kapitel“ an diesem Abend ist eine Art „Best of“, mit einem der besten Zuccheros, die je zu besichtigen waren, quirlig gut mit „X colpa di chi“, herzschlagwarm mit „My baby“. Gesungen von einem Typen aus einem anderen Jahrhundert, als Rockstars noch zottelige Zausel sein durften und die Hoffnung lebte, der Blues werde eines Tages die ganze Menschheit zusammenschweißen. Die süße Melancholie, die Zuccheros Konzerte verströmen, ist ein beinahe wehmütiges Echo dieser Zeit.

Blues, Rock und Italo-Hits mit Zucchero

(Quelle: Ruhrnachrichten.de)

Irgendwie kann er alles und macht er alles: Ob Blues, Rock oder Gospel - Italienisch, Englisch oder Spanisch. Zucchero hat sein Publikum in Oberhausen am Montag mal mit ruhigen und rauen Klängen und dann wiederum mit rhythmischen Songs begeistert.

"In Blues we trust - full flavour blended" lautet das Credo von Adelmo Fornaciari, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Zucchero. Seit seinem jüngsten Album "Black Cat", ein Slang-Ausdruck für schwarze Musiker, denen er stimmlich und seelisch eng verbunden ist, hat der 61-jährige Sänger, Musiker und Komponist, der erfolgreichste italienische Pop-Star weltweit, wieder zu seinen alten Blues-Wurzeln zurückgefunden.

Zwischenzeitlich hatte er sich einige Jahre in Deutschland rar gemacht und statt dessen mit "La sesión cubana" den lang gehegten Traum, Latino-Klassiker auf Kuba mit dortigen Musikern neu einzuspielen, wahr werden lassen. In der Oberhausener König-Pilsener Arena riss er mit seiner urwüchsigen Mischung aus Rock, Blues Soul und Gospel seine mehr als 5000 begeistert mitgehenden Fans immer wieder von ihren Plätzen.
Er kann düster und detailreich

Mit "Partigiano reggiano" legt er temperamentvoll los, seine 13-köpfige Band, mit mehreren Gitarren, darunter auch Pedal Steel, drei Bläsern, Keyboard, Orgel, Geige sowie einem Schlagzeuger und einer Schlagzeugerin stärkt ihm musikalisch den Rücken. Nein, hier wird der Blues nicht Opfer barocker Opulenz, Zucchero erweist sich allerdings als ein Musiker, dem Details wichtig sind.

"Ti voglio sposare" rockt als wolle sich "Sugar" ein Rennen mit Bruce Springsteen liefern. Bei dem düsteren "Ten More Days", bei dem er singt wie ein Voodoo-Priester, und "Hey Lord", einem Working Blues, der später zum Gospelduett mutiert, sowie später noch bei "Love Again" wechselt er problemlos ins Englische.
Am Ende wird mitgeklatscht

Doch auch im eher romantisch ins Ohr gehenden Italienisch schafft er es, die Gefühlswelt des Blues aus vergeblichem Liebeswerben, zerbrochenen Liebesbeziehungen sowie Niedergeschlagenheit wegen zuwenig Geld oder zuviel Alkohol authentisch in Klänge zu fassen. Dreh- und Angelpunkt ist und bleibt jedoch seine raue Stimme, wegen der er schon vielfach mit Joe Cocker, zumal auch er gerne Luftgitarre spielt, verglichen wurde.

"Stand up and dance - vamos" fordert Zucchero zu Beginn des zweiten Konzertteils auf. Zu "Baila - Sexy Thing" ist dann zumindest rhythmisches Mitklatschen angesagt. Die Stimmung steuert auf den ersten Höhepunkt zu und wo sie am besten ist weiß der umjubelte Zucchero natürlich auch: "Under the luna". Der Blues ist vergessen, fortan sorgen seine Italo-Hits für Partylaune in der Rock-Disco.

 

Metal oder nicht Metal, das war hier die Frage…

Nightwish

18.11.2015, „Endless Forms Most Beautiful“-Tour, Barclaycard-Arena, Hamburg

Es sind knapp 10 Jahre vergangen, seit ich mit unserem Ältesten zum ersten Mal bei Nightwish war, damals noch mit der unglaublichen Tarja Turunen. Seitdem hatten Nightwish mit der aktuellen Sängerin Floor Jansen bereits die dritte Sängerin in der Band und das aktulle Album „Endless Forms Most Beautiful“ hatte mich neugierig gemacht. Ein Anruf bei Sohnemann und Wochen später ging es in dergleichen Besetzung wie 2005 in die … Barclaycard-Arena. Auf der Karte stand zwar noch O2-World, aber nichts ist ja so beständig wie der Wandel.

Was war das denn?

Arch Enemy:
„Melodic-Death-Metal“!
Was daran „Melodic“ sein sollte?

Dort verpassten wir die erste Band, nach der Äußerung eines anderen Besuchers war das jedoch kein Verlust. Erleiden mussten wir dann Arch Enemy. Laut Wikipedia eine „schwedische Melodic-Death-Metal-Band“, was auch immer das sein soll. Alleine „Melodic-Death-Metal“! Es war eine Menge Krach mit einer blauhaarigen Sängerin, die sich dem Growling („Growling im Gesang bezeichnet tiefe sowie aggressiv-helle, meist geschriene Vocals in einigen Genres des Metal“, Wikipedia) widmete. Sorry, dieses Grunzen und Geröhre kann ich schon bei Männern nicht ab. Einer Frau dabei zuzuhören… dann kann man auch gleich auf die Gitarren verzichten und stattdessen mit einer Motorsäge Musik machen. Soll es ja geben… Im Internet hatten einige Fans diese Reaktion offenbar geahnt: „Wir freuen uns schon jetzt auf die Gesichter, wenn Nightwish-Jünger der Mainstreamfraktion, diese Abrissbirne von einer Band vor den Latz bekommen…“, metaltalks.de

So, nun aber: Nightwish

Floor Jansen:
Tolle Sängerin, die keinen Vergleich zu scheuen braucht!

Die mittlerweile sechsköpfige Band um Tuomas Holopainen schafft immer wieder den Spagat zwischen treibenden, hämmernden Riffs und dem Eintauchen in hymnische, teilweise schlagerhafte Melodien. Eine Mischung die sicherlich nicht jedermanns Sache ist und mit dem Begriff Symphonic Metal auch nicht ausreichend definiert ist. Manchmal klingen Sie einfach zu banal und seicht, um dann ganz plötzlich doch noch die Kurve zu kriegen. Diese Mischung macht aber Spass, auch wenn es im Konzert hin und wieder zu Längen kommt. Vielleicht sollte Holopainen seine Komposition etwas weniger ehrgeizig anlegen? Egal, an diesem Abend hat es wieder locker für ein sehr unterhaltsames Konzert gereicht. Die neue Sängerin Floor Jansen machte ihre Sache sehr gut, wenngleich der häufig eingesetzte Kopf-„Rotor“ ein klein wenig aufgesetzt wirkte. Aber singen kann sie!

Tuomas Holopainen:
Dass er der Kopf der Band ist, steht ausser Frage. Aber muss das so oft erwähnt werden…?

Nightwish 2015 sind:

Keyboards – Tuomas Holopainen
Gitarre, Bass, Gesang – Marco Hietala
Gesang – Floor Jansen
Gitarre – Emppu Vuorinen
Schlagzeug – Kai Hahto
Uilleann Pipes, Tin Whistle, Gesang – Troy Donockley

 

Troy Donockley (im Hintergrund)
Er sorgt für ungewöhnliche Klänge in einer Metal-Band

Die Band selber spielte wie aus einem Guß und der neue(?) Instrumentalist (Uilleann Pipes, Low Whistles, Bodhran, Bouzouki, Gesang) Troy Donockley gab einigen Songs Farbtupfer, wie man sie bei einer Metalband nicht erwarten konnte. Teilweise hatte es schon etwas von Blackmore’s Night. Aber solange Nightwish nicht im ZDF-Fernsehgarten auftreten, soll es mir recht sein.

Das Ende des Konzerts war ebenso ungewöhnlich. Als letztes Stück wurde „The Greatest Show on Earth“ angestimmt. Dieser 25-Minuten-Longplayer entzieht sich bereits in der Studioversion jeder Schublade: Rick Wakeman trifft Wagner trifft Death Metal (?) trifft Hollywood… vielleicht genau die Quintessenz von Nightwisch. Da jubilieren die Chöre, (Synthi)-Geigen stimmen Hymnen an und ständige Tempowechsel oder Soundcollagen verhindern durchgängiges Headbangen oder Mitklatschen.

Das ist eher der gute alte Progressive-Rock und ich fand es genial. Dazu eine Lightshow, die mit vier Videowalls (eine oberhalb der Bühne über die gesamte Breite, darunter drei kleinere) den perfekten Hintergund für diesen epischen Sound lieferte. Nach dem letzten Akkord kam die Band an den Bühnenrand, verbeugte sich noch einmal, ein letztes Winken und die Bühne war leer. Dann hörte man die Schlußworte von „The Greatest Show on Earth“ und im Saal ging das Licht an. Ungewöhnlich? Sicherlich anders als bei vielen anderen Bands. Aber Nightwish ist sicherlich auch anders als andere Bands.

Setlist

  • Shudder Before the Beautiful
  •  Yours Is an Empty Hope
  •  Ever Dream
  •  Wishmaster
  •  My Walden
  •  The Islander
    (eingeleitet durch Marco Hietala)
  • Élan
  • Weak Fantasy
  • 7 Days to the Wolves
  • Alpenglow
  • Storytime
  • Nemo
  • Stargazers
  • Sleeping Sun
  • Ghost Love Score
  • Last Ride of the Day
  • The Greatest Show on Earth

Fazit

Metal umfasst mittlerweile ein so weites Spektrum an Stilelementen, das Folk, Rock, Pop und sogar Operngesang eingebaut werden können. Sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Nightwish nutzt dieses Spektrum bis an die Grenzen aus: Ihr „Symphonic Metal“ vermengt so viele Stile, dass mir manchmal die Orientierung fehlte. Bei Arch Enemy (s.o.) fällt es einem wesentlich leichter Stellung zu beziehen.

Aber genau das macht ein Nightwish-Konzert für mich so spannend. Wenn man (wie ich) nicht alle Alben auswendig kennt, dann ist jeder Song eine Überraschung. Und die Darbietung ist (unabängig vom Geschmack) optisch und akustisch jeden Cent wert. Bis zum nächsten Nightwish-Gig wird es hoffentlich nicht wieder 10 Jahre dauern!

Nightwish 2015:
Der Jubel war absolut berechtigt!
Pressestimmen (leider nur aus Stuttgart!)

Die Schleyerhalle feiert den neuen Sound

Beim Gastspiel von Nightwish in der Stuttgarter Schleyerhalle zelebrieren 8000 Fans das neue Album. Den Opern- oder Popgesang früherer Jahre vermisst niemand, die finnische Symphonic-Metal-Band hat sich nach 19 Jahren einmal mehr neu erfunden.

(Quelle: Rafael Binkowski  auf stuttgarter-zeitung.de)

Das muss man sich erst einmal trauen: Die finnische Symphoninc-Metal-Band Nightwish verzichtet für ihre Welttournee zum neuen Album „Endless Forms The Beautiful“ komplett auf einige ihrer größten Smash-Hits,  und wagt stattdessen einen Spagat zwischen vielen neuen Titeln und einigen ganz alten. Die Fans der Formation um den begnadeten Komponisten Tuomas Holopainen sind aber weder durch solcherlei Innovationen noch durch den mehrfachen Austausch der Front-Sängerin zur Untreue anzustiften. Das wird beim Konzert in der Schleyerhalle am Donnerstag vor gut 8000 Zuschauern deutlich. Gerade die Stücke aus jüngster Geschichte erhalten am meisten Zuspruch, sieht man vielleicht vom Dauerbrenner „Nemo“ ab.

Als kurz vor Ende das Uralt-Lied „Stargazers“ erklingt, ist das eine Hommage an den opernhaften Soprangesang über knallharten Metal-Beats, wie es in den ersten elf Jahren der Bandgeschichte üblich war. Ja, eigentlich hat Nightwish durch die markante Opernstimme der ersten Sängerin Tarja Turunen erst ihren Unique Selling Point erhalten, weil sich die Finnen dadurch in der Szene von anderen abgehoben haben. Doch der Rückgriff auf die Vergangenheit wirkt fast wie ein Abschied.

Denn diese Ära klingt musikalisch sonst allenfalls nur noch in kurzen Passagen etwa bei „Storytime“ an. Aber auch die Zeit der umstrittenen schwedischen Sängerin Anette Olzon, deren Stimme eher für Popsongs denn für Rockarien geeignet war, scheint abgeschlossen zu sein: Nur wenige Songs wie der reichlich basslastige „7 Days To The Wolves“ werden aus der Olzon-Zeit zwischen 2007 und 2012 eingespielt. Aber der Erfolg von Nightwish steht und fällt offenbar mit dem Genius von Tuomas Holopainen, dem es seit 19 Jahren immer wieder gelingt, neue Meisterwerke symphonischer Metal-Musik zu schaffen.

Erfolgreich mit neuem Sound

Gleich zwei neue Lieder zu Beginn unterstreichen das. „Shudder Before The Beautiful“ etwa ist eine Hymne, ein symphonisches Klangspektakel mit allen Zutaten für einen Hit. Geigenklänge, ein warmes Cello, dramatische Chor-Einwürfe, harte Gitarrenriffs – der Song wie das neue Album bieten alles, was der Nightwish-Fan gerne hört. Zwar erinnert das Lied ein wenig an frühere Titel wie „Dark Chest Of Wonders“, aber es ist eben auch schwierig, sich treu zu bleiben und gleichzeitig völlig neu zu erfinden. Die neuen Titel ziehen das Publikum gleich in ihren Bann, es werden heftig lange Haare geschüttelt, mitgesungen, mitgetanzt bis 23 Uhr.

Dass dies alles gelingt, hängt auch mit der neuen Sängerin Floor Jansen zusammen, die seit 2013 an der Front steht. Die 34-jährige Holländerin hat eine beeindruckende Bühnenpräsenz, und kann mit ihrer Stimme sowohl die hohen Opernpassagen präsentieren als auch die Halle mit ihrer Energie in Verzückung versetzen. Sie ist sozusagen die Synthese von Tarja Turunen und Anette Olzon, und scheint perfekt für die aktuelle Schaffensphase von Holopainen zu passen. Man muss hoffen, dass ihr eine längere Verweildauer in der Band gegönnt wird als der Vorgängerin.

Optimal passen auch die großzügig ausgestreuten Pyro-Effekte, die epischen Landschaftsbilder auf den Monitoren und die discoartige Lightshow zu der Inszenierung auf der Bühne.

Was gäbe es zu kritisieren? Nun, zugebenermaßen entfaltet Floor Jansen bei den extremen Sopranpartien manchmal nicht das Potenzial, das Tarja Turunen hatte, die immerhin ausgebildete Opernsängerin war. Und manchmal wirken die endlos langen, dramatisch ausgewalzten Lieder vielleicht etwas zu überdehnt. Das gilt vor allem für den 24 MInuten langen Schlusssong, der unbescheiden „The Greatest Show On Earth“ heißt, gleichzeitig der letzte Titel des neuen Albums.

Ein Denkmal für den Bandleader

Tuomas Holopainen wird von einem Bandmitglied als „Kapitän“ angekündigt, spielt minutenlang verträumt auf dem Keyboard ein Intro zu dem Song, bevor ein Feuerwerk aus Blitzen, Feuerstößen, Trommelwirbeln und Elefantenbildern auf dem Monitor losbricht. Es scheint, als wollte sich der Kopf der Band selbst ein Denkmal setzen und alle kompositorische Kraft in dieses furiose Finale stecken. Damit toppt er sogar frühere Endlosnummern wie „The Poet And The Pendulum“, die bereits kleine Romane waren. Das mag verspielt wirken, fast wie ein Zeichen von Hybris.

Aber andererseits ist es auch genau das, was die Anhänger von Nightwish erwarten. Großes Drama. Epische Erzählung. Himmel und Hölle. Gut und Böse, die ganze Welt in einem Song, ein Universum in der Nussschale. Am Ende geht diese Rechnung einmal mehr auf, und irgendwie freut man sich schon jetzt auf das nächste Album der Finnen. Zunächst geht es mit der Tour aber nach Stuttgart erst mal nach Osteuropa, Asien, Australien, die USA und Russland – und scheinbar unaufhaltsam nach oben.

 

Awesome

Kiss

02.06.2015, 40th Anniversary Tour, O2-World, Hamburg

Nun war ich endlich auch einmal bei bei Kiss!
Bei K i s s !!! Jahrelang hatten mich diese Kostümparty mehr abgeschreckt als begeistert.
Und ich glaube auch noch immer nicht, was ich gesehen habe.
Objektiv betrachtet standen dort auf der Bühne vier seltsam geschminkte ältere Herren in merkwürdigen Kostümen und spielten Songs aus den 80ern.
Wer um Himmelswillen kann aber bei Kiss objektiv sein… ich nach diesem Konzert nicht! Nach so vielen Jahren, in denen ich in vielen und unvergesslichen Konzerten war, kam ich mir vor, wie ein absoluter Newbie. Und auch wenn ich kein Mitglied der Kiss Army werde, ab sofort finde ich diese Band uneingeschränkt gut!

Das war Rock’n’Roll-Entertainment made in Hollywood, eine Show vom Allerfeinsten und die Effekte, die gestern nicht gezeigt wurden, müssen wohl noch erfunden werden.
Aber kurz der Reihe nach. Unsere Plätze waren nicht im „Headbangers Paradise“, also nicht an der Bühne, dafür konnten wir die Show und alle Effekte wie im Kino erleben.

Als Vorgruppe traten die Dead Daisies auf, solider Hardrock. Kann man sich sicherlich noch einmal genauer anhören. Das Deep Purple-Cover „Hush“ und der Beatles Klassiker „Helter Skelter“ kamen in der harten Version wirklich gut rüber.

Dead Daisies
Genug der Vorrede!

Um 21:25 Uhr ging das Licht aus, mit einem Urschrei erfuhren wir sinngemäß „Ihr wolltet das Beste… jetzt kriegt ihr es!“ („You wanted the best, you got the best“). Und dann ging es mit Blitz und Donner, Feuer und Blut, Konfetti und Papierschlangen und mit Rock’n’Roll durch die nächsten 90 Minuten.

Die meiste Zeit war ich entweder am Grinsen oder sang lauthals mit. War ich das wirklich? Kannte ich diese ganzen Kiss-Songs tatsächlich? Allem Anschein sind die Songs dieser Band doch viel mehr als nur die Beilagen zu dem Maskenball auf der Bühne. Die überwiegende Anzahl ihrer Lieder hat man als Rockfan irgendwie schon immer gekannt und sie funktionieren live wirklich perfekt!

„You wanted the best, you got the best“

Die Melodien sind eingängig, die Refrains können vermutlich in jeder Sprache schnell erfasst werden und so singt/schreit/brüllt die ganze Arena „Shout it out….. shout it out loud“ oder „Lick it up“. Zwischendurch sind wir (das Publikum) „das beste“ oder „das lauteste“ Publikum der Welt, auf jeden Fall sind wir „awesome“. Das scheint denn auch Paul Stanleys Lieblingswort an diesem (?) Abend zu sein.

Was die alten Männer bzw. The Demon, The Starchild, The Spaceman und The Cat auf der Bühne bieten, ist perfekte Unterhaltung. Ob „The Demon“ Gene Simmons Blut spuckt um anschließend mit Gitarre unter das Hallendach fliegen, „The Spaceman“ Tommy Thayer während des Gitarrensolos Raketen verschießt oder „The Starchild“ Paul Stanley über die Köpfe des Publikums auf eine Drehbühne mitten in der Arena schwebt… pausenlos passiert irgendetwas auf der Bühne und trotzdem rockt ein Song den nächsten. Die Frage bei Kiss-Konzerten ist nicht, was kommt – sondern, wann es kommt.

Es ist ein Kindergeburtstag auf allerhöchstem Niveau und dermaßen überdreht, dass man weder die Texte noch das Blut oder die Masken ernst nehmen kann. Dazu kommt eine Bühnentechnik, wie man sie auch nur ganz selten erlebt: gigantische LED-Wände, die sogar unterm Bühnendach aufgehängt waren und die Bühne mal zur lodernden Feuerhölle oder zum gläsernen Würfel werden ließen. Dazu Laser, Flammen, Nebel, Böller…. ich wiederhole mich.

Wie gesagt: grinsen und singen und staunen und grinsen und singen und…. plötzlich waren die 90 Minuten vorüber. Noch einmal wurden mit „I Was Made For Loving You“ und „Rock and Roll All Nite“ alle Register gezogen: das Schlagzeug mit „The Cat“ Eric Singer hob sich in die Höhe, „The Demon“ Gene Simmons und „The Spaceman“ Tommy Thayer schwebten auf langen Auslegern über dem Publikum, während „The Starchild“ Paul Stanley mit der Gitarre den Takt für die Schlussböller schlug… (gab es überhaupt einen Song der nicht von Explosionen eingeleitet oder beendet wurde??).

Dann Konfetti, Luftschlangen, Nebel, Flammen…. Licht aus. Und aus der Konserve erklang leise(r) „God Gave Rock ’n‘ Roll to You“

Willkommen im wirklichen Leben!

Zum Schluss noch ein paar Fakten

Der Sound war (zumindest auf unseren Plätzen) sehr gut. Trotz der Lautstärke waren alle Bandmitglieder deutlich zu hören. Hin und wieder wurde der Gesang etwas schwächer (im Sinne von „leiser“). Vielleicht ein technisches Problem? Im Gegensatz zu einem anderen Topact in dieser Halle, war der Unterschied atemberaubend… bei gleicher Lautstärke lagen Lichtjahre zwischen Iron Maiden und Kiss. Vielleicht sollten sich die Techniker der Bands einmal austauschen? Zu Kiss würde ich auf jeden Fall noch einmal gehen!

Die Setlist umfasste alle Phasen der Bandgeschichte:

  • Detroit Rock City
  • Deuce
  •  Psycho Circus
  •  Creatures of the Night
  •  I Love It Loud
  •  War Machine („The Demon“ spuckt Feuer)
  •  Do You Love Me
  •  Hell or Hallelujah
  •  Calling Dr. Love
  •  Lick It Up
  •  Bass Solo („The Demon“ spuckt Blut und fliegt)
  •  God of Thunder
  •  Parasite
  •  Love Gun
  • Black Diamond

Zugabe

  •  Shout It Out Loud
  •  I Was Made for Lovin‘ You
  •  Rock and Roll All Nite
  •  God Gave Rock ’n‘ Roll to You II (vom Band)

Und um mit den Worten von Paul Stanley zu schließen:

Kiss waren „awesome“!

Pressestimmen

You Wanted the Best, You Got the Best!! The Hottest Band in the World KISS!!!

(Quelle: Konzertreview auf http://kr.360k.de)

Diese Ansage ist genauso Kult, wie die Band selber. Seit 40 Jahren rocken KISS die Bühnen der Welt und sind ein Phänomen der Selbstvermarktung. „Kiss will never die“, sagte Bassist Gene Simmons einmal und er wird damit sicherlich Recht behalten. Es gibt eigentlich nichts, was es nicht von der Band gibt und käuflich zu erwerben ist.

Im Mittelpunkt steht aber trotzdem weiterhin die Musik und die spektakulären Liveshows die Kiss ihren Fans immer wieder präsentieren. Bombastische Bühnenbilder, reichlich Pyrotechnik, dazu phänomenale Licht- und Laserspiele und dazu vier Musiker, die sich hinter ihrer Maske verstecken und reichlich Hits dabei haben.

So war es auch in Hamburg, wo Kiss die ausverkaufte O2-World am Volksparkstadion rockten. Mit „Detroit Rock City“ und „Deuce“ legen sie los und lassen es dabei reichlich knallen. Allein bei den beiden ersten Songs wird die Arena in ihren Grundmauern erschüttert und die Fans feiern die Knaller-Show. Viele von ihnen sind originalgetreu geschminkt und auf Plateauschuhen unterwegs, einige haben ihre Kinder mit dabei. Kiss sind eben eine Band für jede Altersklasse und wird daher auch niemals alt werden.

Das Set besteht aus sämtlichen Hits der 40-jährigen Bandgeschichte. Ob mit „Pyscho Circus“, „War Machine“ oder „Dr. Love“ – Kiss werden gefeiert und fliegen in der Bühne, wie Gene Simmons bei „God Of Thunder“ oder über die Fans hinweg, wie bei „Love Gun“, als Paul Stanley über die Fans auf einer Art Seilbahn hinweg gleitet.

Zum Schluss wird die Party  noch einmal mächtig angeheizt und „Shout It Out Loud“, der Mega-Hit „I Was Made For Loving You“, sowie zum Abschluss „Rock’n’Roll All Night“, bei dem die Konfettikanonen angeworfen werden, folgen als Zugabenblock, bevor sich Kiss vom restlos begeisterten Hamburger Publikum mit einem lauten, letzten Knall verabschieden und ein absolutes Knallerkonzert zu Ende geht und die Fans mit „God Gave Rock’n’Roll To You“ vom Band seelig die Halle verlassen.

Kiss rockt o2 World Hamburg

(Quelle: http://www.hamburg-zwei.de)

Sie können es auch nach 40 Jahren noch! Mit Kult-Schminke, Plateauschuhen und ausgefallenen Kostümen haben Kiss die Hamburger o2World in einen Rockpalast verwandelt.

Die Stimmung war von Anfang an super und dementsprechend gut war auch das Konzert. Eine grandiose Show, geniale Musiker und gut gelaunte Fans haben das Konzert zu einem Highlight gemacht. Kurz bevor die Band auf die Bühne gekommen ist, hat ein großes Tuch mit "Kiss" Aufdruck die Sicht versperrt. Sobald dieses runter gefallen ist und die Band losgelegt hat, waren alle Fans hellauf begeistert und die Band hat alles, wofür sie steht, an den Tag gelegt. Neben Kostümen und Schminke wurde auch an Pyrotechnik nicht gespart. Aus allen Rohren wurden die Highlights abgefeuert und Feuersäulen sind passend zur Musik in die Luft geschossen. Gene Simmions Zunge war häufiger auf seinem Kinn als in seinem Mund.

Der Höhepunkt war natürlich der Erfolgssong "I was made for loving you" am Ende. Da gab es kein Halten mehr und selbst auf dem Weg nach Hause haben viele Fans noch in der Bahn gesungen.

Kiss & Dead Daisies

(Quelle: Steffen Frahm auf http://dremufuestias.de)

Auf dem Hinweg "The Elder" hören. Wieder seltsam berührt sein von "A World Without Heroes". Simmons singt es so schön. So traurig. So desillusioniert. So gänzlich erektionsfrei. Damit geben sie sich seit Ewigkeiten nicht mehr ab. Stand-Alone-Unterhaltungskrieg-Perpetuum-Mobile. Der 40. Bandgeburtstag geht ins 3. Jahr, und KISS haben sich längst aus gewissen Grenzen schnöden menschlichen Daseins befreit: Ihre Personae sind nicht mehr an monogame Symbiosen mit humanen Wirten gebunden und alterslos. Einmal angekommen auf diesem Existenzniveau braucht man sich um Raum und Zeit nicht mehr zu kümmern und kann daran rumzwirbeln, wie man gerade lustig ist.Und für Paul Stanley wird's womöglich Zeit, seinen verklärten Visionen von Kiss-ohne-ihn Taten folgen zu lassen. "Ich bumse die Würde!" blaffte Gene Simmons einst und daß man ihn schon tot von der Bühne wuchten müßte, mit hinterherschleifendem Umhang und Repti-Accessoires, klöter, bimmel. Stanley Bert Eisen und Chaim Witz, die Asterix & Obelix des theatralischen Hedo-Haudraufrocks. Der Eine hatte nie das stimmliche Format des Anderen, darum geht's ja auch nicht, und daß die Fallhöhe automatisch geringer ist...geschenkt, aber: Gene Simmons' Präsenz ist stabiler als die des Combo-Kapitäns. Er singt ziemlich genau 50% der Setlist, alles an seinem Platz, und selbst das Falsett ist gut in Schuß. Einmal setzt er sich ("Hier entlang, Mr. Simmons!" - "[grunz, schnauf]") zum Wassertrinken hinter ein direkt am Bühnenrand aufgestelltes, irgendwie nach Billigprodukt aussehendes Vorhanggestell. Und dann kriegt der Lakai den Vorhang nicht zu, und Simmons sitzt da relativ unglamourös wie Darth Vader auf der Parkbank. Semi-peinliche und wie versehentlich dazwischengerutscht wirkende Momente der Menschlichkeit in einem ansonsten durchweg abgekarteten Mehrgenerationenkonzert.

Hingegen Paul Stanley, Dekaden lang ohne Signature-Showeffekte (Blut, Feuer, Hasenkostüme) der allen Rapport bei sich bündelnde FRONTMANN, verkommt immer mehr zum Conférencier und verschwindet zwischendurch für seine Verhältnisse fast. Den unempathischen Dienstleistungscharakter seiner Crowd-Animationen als echtes Rock'n'Roll-Engagement zu kaschieren, das fällt hör- und sichtbar noch schwerer, wenn man eigentlich am liebsten die eigene, aufgeräumte Erzählstimme den Job tun lassen möchte. Kaum Rückzugsräume da, in denen man aus der Not eine Tugend machen könnte - eigentlich nur "I Was Made For Loving You", das er in der gleichen Lage singt wie auf der "Dynasty" (Eric Singer übernimmt den Chorus). Auf "Alive III" ging das noch 2 Oktaven höher, aber das ist ja auch 22 Jahre her.

Leuten, zumal Leuten, die solchen Freizeitbeschäftigungen nachgehen, ihren eigenen Alterungsprozeß vorzuwerfen, finde ich immer selbstgerecht und leicht, aber Stanleys Stimme ist einfach im Arsch. Es schmerzt, wenn er sich "Don't wanna wait till you know me better" rausquält und en passant "Lick It Up" anzählt. Der Song ist dagegen total gewachsen, und das "Won't get fooled again"-Zitat, das Tommy Thayer und er auf der Hebebühne runterpicken, gehört gitarristisch und überhaupt zu den schönsten Momenten des Abends - bis zu der Stelle, wo der orgiastische Katharsis-Schrei kommt. Kröchz...Vielleicht lieber ein Sample einspielen, kratzt keine Sau, nehm ich mal an.

Weiteres Highlight: "Do You Love Me", schon immer einer meiner ewigen Kiss-Faves. Über den mit LEDs tapezierten Bühnenhintergrund flackern chronologisch getaktete Bilder aus der Bandhistory, von ersten Versuchen mit Flokatis und Klobürsten in den 70s bis ins Jetzt. Dazwischen fehlt nichts, nicht mal Vinnie Vincent (Ob es Fans gibt, die mit güldenem Ankh auf der Nase aufs Kiss-Konzert gehen?). Wer Chuck Klostermans großartigen Road-Roman "Eine zu 85% wahre Geschichte" gelesen hat, weiß, daß "Do You Love Me" prototypisch ist für Stanleys virtuelle Beziehungsgestaltung: Er versteht, daß man als Anwärterin ganz schön geblendet sein kann von seinem Ruhm, seinen Plateau-Risern, den langen Haaren, der Art, wie sich die Reifen drehen, und diesem Ozean aus Schotter; aber Solche brauchen erst gar nicht bei ihm anzukommen, denn er will bei aller frohgemuten Promiskuität doch ob seines Menschseins geliebt werden. Ein konservativer Geist, dieser Mann mit dem in die Bauchbehaarung reinrasierten Sechserpack. Und ein Romantiker. Swoon.

Gene Simmons ist da ganz anders. Fans kennen das ebenfalls auf "Destroyer" befindliche "Great Expectations": Es toppt mit seiner pompösen Orchestrierung, noch mehr mit dem unschuldig jubilierenden Kinderchor, eigentlich sämtliche Gene-Simmons-Stücke (oder sollte ich gleich "-Nummern" sagen?), in denen es darum geht, daß er und sein Geschlechtsteil Buschemanns Geschenk an die Jungfrauen dieser Welt sind. Die klebrige Feierlichkeit, die der Song von sich wirft wie ein Roter Riese seine Gashülle, verklärt den Moment der durch Dr. Love-Simmons fachmännisch vorgenommenen Defloration zu einem säkularen Akt. Gene Simmons als schwellkörpergewordener Gott des Sexus, der seinen heiligen Flaschengeist großzügig ausschüttet und die Mädels so auf die nächste Seinsebene schaukelt. Nun ja. Der andere "Destroyer"-Repäsentant ist natürlich das etwas hüftlahm geschaffelte "Detroit Rock City". Und nicht "Great Expectations". Ansonsten weitestgehend one song per album, vom überbewerteten "Creatures Of The Night" gibt's ganze Drei, unter denen mir das quasi-doomig geriffte"War Machine" wegen der animierten Lego-Krieger auf der Video-Tapete am besten gefällt.

Gut, daß sie die klassischen Programmlangweiler einer jeden groß angelegten Rockshow, Gitarren- und Drumsolo, zurechtgestutzt haben: Der makellos aufspielende und auf seine Art schon sehr cool daherkommende Besser-Ace Tommy Thayer darf 2 Raketen abfeuern, dafür spielt die Band vor dem eigentlichen Alleingang die instrumentale Coda von "Let Me Know", ganz wie auf der "Alive!", was ich einigermaßen geil finde. Und Eric Singer begnügt sich bestens gelaunt mit einer Situation permanenter Unterforderung: Neben und während seiner Servicetätigkeit für die Bosse kratzt er sich mittels in die Luft geworfener und milimetergenau sich ins Rückendekoltee schraubender Sticks den Pelz, sieht fern und brät sich auf der Floortom ein Ei. Man könnte ihn wohl auch in einen Sack stecken, ohne daß es groß was ausmachen würde. Sein Drumming ist spielerisch, es sieht aus wie Jonglieren; kein steady 4-auf-die-Auslegeware-Gerumse, wie es einer Hardrock-Band würdig wäre, und schon gar nicht metal wie zu "Revenge"-Zeiten. Damit hat sich Eric Singer sein Pendant zu Peter Criss geschaffen, der ja auch immer wie der irrtümlich auf den Wagenheber-Hocker geratene Dschingderassabumboy trommelte. "Paul Stanley...got you under my thumb..." singt er beim wie immer perfekt abgelieferten "Black Diamond", und das Sternenkind lächelt. Immer ma gut stellen mit dem Chef. Singer, nebenbei bemerkt, nicht der einzige Schlagzeuger heute Abend, der mit Ozzy resp. Black Sabbath gearbeitet hat: Auch Tommy Clufetos, der für jeden Schlag armlängeweit ausholende Drummer der Vorband Dead Daisies klöppelte für den Madman. Aber dieses All-Star-Kollektiv um John Kohlrabi und ein paar Ex-Beta-Guns+Roses-Arschlöcher hat man längst vergessen, wenn Paul Stanley zum Geknatter von "Love Gun" eine rotierende Zweitbühne im Mittelgrund der o²-Wörld anfliegt, diesem Ausbund seelenloser Eventhallen-Vieh-Abfertigung. Im Vergleich zu P!nk, die sich in 4 in die Hallenecken montierte Stahlseile einspannen läßt und damit die Lufttauglichkeit von Superman nahezu erreicht, sieht Stanley eher aus wie eine Transall, aber was soll es: Wenn er da oben steht, vom Verfolgerspot aufs Korn genommen, in seinem figurbetonten Kostüm, die verspiegelte Ibanez um und das Intro von "Black Diamond" croont, dann bubbert mein kleines Elfjährigenherz, und ich finde diesen Typen aus tiefster Seele toll. Und wenn zu "Rock And Roll All Nite" tausende unbeschrifteter Glückskeks-Zettel in der Luft schweben und sich drehen wie Propeller, dann bin ich für einen Moment weg von dieser Welt. Welche Band kann einem sowas geben? Ich wüßte keine.

Die Zeitmaschine

The Musical Box

31.10.2014, SEBTP-Tour 2014, Glocke, Bremen

„Can You Tell Me Where My Country Lies?…

Plötzlich ist alles wieder da:

Die Diskussionen auf dem Schulhof über diesen oder jenen Riff, welcher Song auf welcher LP, Genesis oder Yes und „…hast Du schon auf der zweiten Seite den dritten Song…?“…

Ein paar Monate zuvor, beim Mittagstreff im Bistro, die hingeworfene Frage: habt ihr Lust? The Musical Box in Bremen, Genesis-Cover-Band, sind wirklich gut!

Na klar hatte ich Lust! Bei den ehemaligen Klassenkameraden überwog die Zustimmung ebenfalls, lediglich eine Minderheit grummelte etwas von Beamtenpop…

Der Irrtum konnte schnell aufgelöst werden. Es ging nicht um die Musik der Phil-Collins-Genesis, sondern um die einzig echte und wahre Genesis mit Peter Gabriel!

The Musical Box ist eine Band, die detailgetreu die Konzerte dieser Formation zwischen 1972 und 1976 rekonstruiert und live aufführt. Sie ist die weltweit die einzige Band, die dazu jemals eine offizielle Lizenz von Genesis und Peter Gabriel erhalten hat.

The Musical Box

In der nicht ganz ausverkauften Glocke in Bremen fanden wir unsere Plätze direkt hinter dem Mischpult… Gottseidank war der Saal nicht ganz ausverkauft. So setzten wir uns, nachdem das Licht erlosch, ein paar Reihen nach vorne. Das wäre sonst ein Grund zum Ärgern gewesen. Aber was soll’s!

Mit dem einsetzenden Mellotron („Watcher Of The Skies“) war das alles vergessen und mit dem sich steigernden Rythmus kamen die Erinnerungen (s.o.)!

Das war (oder besser ist!!!) eine Musik, wie sie vermutlich nie wieder in dieser Form geschrieben wird. In immer neuen Wendungen, Breaks und Stimmungswechseln entstehen Klangbilder, die sich in kein Stilkorsett zwängen lassen. Das alles wurde seinerzeit unter der Headline „Progressive-Rock“ vermarktet und mit dem aufkommenden Punk gegen Ende der 70er Jahre respektlos zu Grabe getragen.

„Selling England by the Pound“ gehört zu den einflussreichen Progressive-Rock-Alben aller Zeiten und als Genesis 1973 damit auf Tournee gingen, hatten sie fast den Gipfel dieser Phase erreicht… mit dem „Lamb-Lies-Down“-Album sollte noch ein letzter Höhepunkt (bezogen auf diese Phase der Band!) folgen.

Zurück zum Konzert: was viele Coverbands nicht erreichen oder auch nicht erreichen wollen, gelingt „The Musical Box“. Es ist die perfekte Illusion. Diese virtuosen kanadischen Musiker erzeugen eine Magie(?), in der man bereits nach wenigen Minuten glaubt, die „echten“ Genesis wären mit einer Zeitmaschine aus der Vergangenheit geholt worden. Hier stimmt fast alles: Licht, Sound, Kostüme, Gestik und sogar die Ansagen von „Peter Gabriel“ klingen authentisch. Die Setlist ist natürlich ebenfalls 1:1 der damaligen Original-Tournee abgeschaut:

Setlist:

  • Watcher of the Skies
  • Dancing With the Moonlit Knight
  • The Cinema Show
  • I Know What I Like (In Your Wardrobe)
  • Firth of Fifth
  • The Musical Box
  • Horizons
  • The Battle of Epping Forest
  • Supper’s Ready

Zugabe

  • The Knife

Mit dem letzten Akkord der Zugabe wurde diese Illusion auch durch die Band aufrechterhalten. Es folgte weder eine Vorstellung der wahren Musiken noch eine durchaus angebrachte Widmung den Originalen.

„Peter Gabriel“ (Gesang, Querflöte, Oboe), „Tony Banks“ (Keyboard, Gesang), „Phil Collins“ (Schlagzeug, Perkussion, Gesang), „Steve Hackett“ (Gitarre) und „Mike Rutherford“ (Gitarre, Bass, Sitar) entschwanden ohne ein Wort.

Vielleicht wartete die Zeitmaschine…

….said the unifaun to his true love’s eyes.“

Rival Sons – Great Western Valkyrie (p) 2014

Ja, ist denn schon wieder Weihnachten?

Genau das war das erste Gefühl, als ich diese Band live als Vorgruppe erleben durfte. Vorgruppen sind ja so eine Sache, häufig genug ein Vorwand ein letztes Mal zu verschwinden… Zigarette für die Raucher, Bier ent- oder besorgen für den Rest der Welt.

Als diese Band an jenem Abend die Bühne enterte führte das bei mir am nächsten Tag zum Spontankauf ihres letzten Albums, natürlich die Vinyl-Version! Wenn eine Band so stilsicher den Hard- & Blues-Rock der 70er leben lässt, dann darf es keine CD sein.

Dann drehte sich die Platte auf dem Teller, und bei mir schlich sich ein Gefühl von „Kenn-ich-schon-,-das-sind-doch…“ ein. Und tatsächlich, auf der Platte, noch viel deutlicher als im Konzert, glaubt man als Fan der 70er viele bekannte Wendungen herauszuhören. Dieses Gefühl wird durch die Produktion verstärkt: rauh, leicht übersteuert und am besten gaaanz laut hören.

Aber ich hab die Truppe live gesehen und ich könnte, nein ich schwöre: das ist echt, das ist keine typische Retro-Band. Wer erinnert sich noch an der Erstling von Kingdom Come? Ein 1:1 LedZep-Plagiat und trotzdem witzig. Diese Scheibe („Great Western Valkyrie“) hat hingegen dermaßen viele neue Songs zu bieten, das derjenige, der mit dem Gedanken spielt, sich beispielsweise die 51. Neuauflage eines bereits 50-fach in seinem Besitz befindlichen Deep Purple-Live-Albums anzuschaffen, dieses Geld lieber in „Great Western Valkyrie“ investieren muß!!

Wenn Jay Buchanan in „Electric Man“ von seinem Cadillac und dem Girl singt, dann bohrt sich dieser Refrain in der Kopf. Das Gitarrenintro von Scott Holiday in „Play The Fool“ stammt definitiv von LedZep, aber spätestens im Refain haben sie Dich. Und dann kommt „Good Things“… boooaaa eeyyyh! Sommerabend auf der Veranda, das eiskalte Bier in der Hand und genieße das Leben! Es kommt wie es kommt:

Good things will happen
Bad things will happen, too
Sometimes its someone down the road
Sometimes its somebody next to you
Enjoy it right now
Because you never know
When its gonna end
Enjoy it right now
Because you never know
When its gonna end

Der Song hat das Zeug zu einem All-Time-Greatest! Und bevor ich jetzt auch noch die anderen Songs durchgehe, mein dringender Tipp an alle Deep-Purple-Led-Zeppelin-Doors-Free-Fans: holt euch diese Scheibe bevor es zu spät ist! Es werden nicht mehr viele neue Bands kommen, die diese Musik so leben wie die Rival Sons. Wer schon einmal Jay Buchanan auf der Bühne gesehen hat, der weiß was ich meine!

„Rival Sons – Great Western Valkyrie teleportiert die 70s ins Jahr 2014. Die Rival Sons verfeinern sämtliche ihrer Trademarks, riskieren eine Schippe Psychedelik im schweren Bluesrockgemisch und bekräftigen: die Geschichte des (traditionellen) Rock ist noch lange nicht zu Ende geschrieben.“ (www.laut.de)

 

 

Alles beim Alten?

Deep Purple
40 Years Of Rock-Tour

27.November 2010, Hamburg, Sporthalle

 

Bob Dylan schrieb einmal „The Times They Are A-Changin'“.

Das mag stimmen, aber nach dem heutigen Abend bezweifle ich die Allgemeingültigkeit dieses Songs.

Marillion-Frontmann Steve Hogarth:
Theatralisch und ein sehr eigenständiger Gesangsstil!

Das begann schon mit der Vorgruppe (oder den „very special guests“) Marillion. Ich fand Marillion Mitte der 80er Jahre gut, mehr aber auch nicht. Irgendwie waren sie für mich immer „Genesis für Arme“. Als sie sich dann vom damaligen Sänger Fish trennten, verlor ich sie nahezu komplett aus den Ohren…

An diesem Abend ging das gar nicht. Mit einer Phonstärke, die alle filigranen Songs in einen Bassbrei zermalmte, erschlug die Band das wirklich freundlich geneigte Publikum.


Marillion (anno 2010): Lauter als manche Metal-Kombo!

Während ich schon andere Vorgruppen in einem Pfeifkonzert flüchten sah, konnte sich Marillion auf eine ansehnliche Schar eigener Fans verlassen.

Der Rest des Publikums ließ sich von deren Begeisterung und der Musik, die irgendwo zwischen Genesis, U2 und R.E.M pendelt,
anstecken und so gab es zum Schluß richtig positiven Applaus. Ich bin neugierig, wie sich Marillion gut ausgesteuert anhören mögen…

Aber der Gewinner des Abends waren dann eindeutig…

Deep Purple

Über die Musik zu reden…. Schwamm drüber. Für den klassischen 70er-Jahre-Hardrock sind Deep Purple nach wie vor der Maßstab. Spielfreude und „positive vibrations“ können definitiv in einem Atemzug mit dieser Band genannt werden, die in der jetzigen Besetzung (Airey, Gillan, Glover, Morse & Paice) nichts an Enthusiasmus eingebüßt zu haben scheint. Wenn ich da an einen Auftritt der Red Hot Chilli Peppers denke…

5500 Besucher in der altehrwürdigen Alsterdorfer Sporthalle erlebten dann auch 110 Minuten geballte Power, das 10-Minuten-Video (s.u.) gibt nur eine Ahnung von diesem tollen Konzert wieder!

Auf die Marke Deep Purple ist halt Verlaß!

Setlist:
  • Highway Star
  • Hard Lovin‘ Man
  • Maybe I’m a Leo
  • Strange Kind of Woman
  • Rapture of the Deep
  • Fireball
  • Silver Tongue
  • Contact Lost
  • Guitar Solo
  • When a Blind Man Cries
  • The Well Dressed Guitar
  • Almost Human
  • Lazy
  • No One Came
  • Keyboard Solo
  • Perfect Strangers
  • Space Truckin‘
  • Smoke on the Water

Zugabe

  • Hush
  • Black Night
Blackmore is back (?)
J.R.Blackmore: Die Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen

Und dann, fast am Ende gab es noch eine Riesenüberraschung. Einige Zuschauer glaubten zunächst an eine Erscheinung… sollte es tatsächlich der „Man In Black“ sein? Blackmore und Morse auf einer Bühne?
Es war tatsächlich ein Blackmore, nämlich Jürgen Richard Blackmore, der Sohn des ehemaligen Deep Purple-Gitarristen. Und gemeinsam ging es nun in den bekannten Riff: „Dö, dö, dööö, dö dö dödö…“

Und der Rest war Paaaahdie.

Hamburger Abendblatt (29.11.2010): Leider kein Wort über J.R.Blackmore, wahrscheinlich blieb der Reporter nicht bis zum Ende. Schade eigentlich….
Pressestimmen

Eine Reise in die Rock-Vergangenheit

Die Kultband Deep Purple spielte auf dem zweistündigen Konzert in der Sporthalle nicht nur die Songs, auf die alle gewartet hatten.

(Quelle: Alexander Josefowicz, Hamburger Abendblat-online, 28. November 2010, 12:27 Uhr)

"Dö, dö, dööö, dö dö dödö...“ Auch auf dem Weg nach Hause begleitet viele der 5500 Fans dieses eine Lied. Dieses Lied, bei dem man sich fragt, ob Deep Purple es nicht langsam, aber sicher verfluchen: „Smoke On The Water“, die Geschichte des brennenden Casinos von Montreux, darf bei keinem Konzert der alten Herren fehlen. Genauso wenig wie „Highway Star“ oder „Black Night“. Und auf die gut gelaunte Rentnertruppe ist Verlass, natürlich spielen sie alle drei Songs. Und umgeben diese mit einem knapp zweistündigen Rockkonzert der alten Schule, das die Sporthalle für einen Abend in eine Zeit zurückversetzt, als Gebäude, Musiker und Fans noch jung waren: kaum Ansagen, dafür minutenlange Soli. Und eine nach modernen Maßstäben fast schon schlichte Lichtshow, deren wichtigstes Element die Spots sind, mit denen der jeweils vorn stehende Musiker illuminiert wird.

Das funktioniert bei Sänger Ian Gillan besonders gut, denn der gibt optisch nicht den Rocker, steht leger in Jeans, weißen Sneakers und ebensolchem Hemd auf der Bühne, strahlt ins Publikum und freut sich. Und mit ihm freut sich das Publikum, dem alle mehr oder weniger offensichtlichen Wünsche erfüllt werden. „Hard Lovin’ Man“, „Maybe I’m A Leo“, der wirklich hervorragende – und erst sieben Jahre alte – Midtempo-Rocker „Silver Tongue“ und „Perfect Strangers“, bei dem man auch noch nach 26 Jahren die Erleichterung über die Wiedervereinigung der Hard-Rock-Vorreiter spürt, auf und vor der Bühne.

Ob als Ausflug in die eigene Vergangenheit oder als Rockmusik-Geschichtsstunde: Viel falsch machen können Deep Purple nicht. So lange sie ihre drei größten Hits spielen, dürfen sie den Rest der Zeit mit allem füllen, was ihnen einfällt. Und bislang wirkt es nicht so, als ob die stille Übereinkunft zwischen Fans und Band von einer Seite aufgekündigt werden würde.

Dieses Klingeln in den Ohren…

Deep Purple
40th Jubilee-Tour

06.November 2008, Kiel, Sparkassen-Arena

Da stand ich also in Kiel in der ehemaligen Ostseehalle (an die verkauften Namen der Hallen und Stadien werde ich mich wohl auch nicht gewöhnen) und wartete auf….. ja auf was eigentlich?
Von der besten Band der Welt, gab es kein neues Album und ob es nun eine „40th Jubilee-Tour“ ist, mit der das Quintett seine 40-jährige Bühnenpräsenz feiert oder irgendeine andere Tour, das bleibt sich doch eigentlich gleich? Wir sind nur alle wieder ein paar Jahre älter geworden und es gibt so viele neue Musiker und Bands die am Thron unserer alten Helden sägen. Ob sie es heute noch einmal packen würden?

Diese Frage stellten sich sicherlich auch viele Fans, denn die Halle war zwar gut besucht, aber nicht bis zum Rand voll. Auch in meinem Bekanntenkreis erntete ich nur Achselzucken oder dumme Antworten („Gibt’s die überhaupt noch?“). Also denn!

Special Guest
Zunächst erklomm aber eine Band die Bühne, von der ich am Rande schon ein paar Titel gehört, die ich aber noch nie so richtig wahr genommen hatte. Gotthard aus der italienischen Schweiz waren als Special Guest angekündigt, und das waren sie auch. Besser als manch andere Vorgruppe spielten sie ein richtig geiles Set. Einziges Manko aus meiner Sicht: die Jungs neigen sehr zum posen. Aber das haben sie dann auch richtig drauf. Hat wirklich Spass gemacht!  Die nächste CD ist garantiert von Gotthard und wenn die Jungs als Hedliner kommen, dann schaue ich mir das noch einmal an!

Und los geht’s
Und dann ging es um 21:30 Uhr endlich richtig los!
Im aktuellen Line-Up mit Ian Paice (Drums), Ian Gillan (Vocals), Roger Glover (Bass), Steve Morse (Gitarre) sowie Don Airey (Keyboards) liessen Deep Purple von Beginn an keinen Zweifel aufkommen, ob sie zu alt, aus der Mode oder ausgebrannt seien.
Mit „Pictures Of Home“ ging es gleich in die Vollen und dort wo ich diesmal stand (in dritter Reihe an der Bühne) gab es kein Halten mehr!

Mag Ian Gillan auch nicht mehr alle hohen Töne sicher beherrschen, so wirkte er doch vital, gut gelaunt und in bester Stimmung. Steve Morse und Roger Glover zeigten sich in toller Spiellaune, überhaupt wirkte die ganze Band sehr homogen. Die früher berüchtigten Streitigkeiten sind wirklich Geschichte.

Hier eine Setlist aus der Erinnerung (ich hatte besseres zu tun als mitzuschreiben….):

  •  Pictures of Home
  •  Things I Never Said
  •  Into The Fire
  •  Strange Kind of Woman
  •  Rapture of The Deep
  •  Contact Lost
  •  Well Dressed Guitar
  •  Sometimes I Feel Like Screaming
  •  Wring That Neck
  •  The Battle Rages On
  •  Don Airey solo
  •  Perfect Strangers
  •  Space Truckin’
  •  Highway Star
  •  Smoke On The Water

Zugabe:

  • Hush ~ Ian Paice Solo
  •  Black Night ~ Roger Glover Solo

Fazit
Als ich dann um 23:20 Uhr halbtaub (dieses Klingeln in den Ohren fühlt sich wirklich cool an, vor allem wenn es nachlässt 😉 in die Tiefgarage ging, hatten sich einige Dinge wieder bewahrheitet:

  1. Nach „Space Truckin“ kann man Pogo tanzen!
  2.  Pogo tanzen kann Spass machen (muss aber nicht)!
  3.  Wer ein Plektrum haben will, muss schnell und agressiv sein (und darf sich auch nicht davor scheuen, sich in einer Menschenmenge auf den Boden zu schmeissen)
  4.  Mit 60 jahren muss man noch nicht alt sein (siehe die Photos!)
  5.  Der Sound ganz vorne an der Bühne ist eher suboptimal (aber HiFi geniesse ich sowieso lieber zuhause!)
  6.  Ein Purple-Konzert ist wie ein Besuch bei guten Freunden, eigentlich weiß man doch was einen erwartet!
  7. Die Parkgebühren in Kiel sind mit 2.-€ für die Veranstaltungsdauer sehr kundenfreundlich!

Und zum Schluss noch ein Dank an Paicey (auch wenn er es vermutlich nicht lesen wird): der Drumstick steht bei den Platten… see you next time!!

Pressestimmen

Rentner in Rock

Kiel - „Kiel, are you ready to rock?“ krakeelt Sänger Steve Lee von der Vorgruppe Gotthard ins Mikro. Und die Landeshauptstadt war bereit. Denn Deep Purple war in die Sparkassen-Arena gekommen, um hier ihr 40-jähriges Jubiläum zu feiern.

(Quelle: Jens Raschke, Kieler Nachrichten, 07.11.2008)

Natürlich: Runde Geburtstage waren schon immer ein guter Grund für Bands, noch einmal die Instrumente zu schultern und sich von den Fans in aller Welt ordentlich abfeiern zu lassen. Deep Purple bilden da keine Ausnahme. Selbst wenn von den Gründungsmitgliedern nur noch eines übrig ist und der angeblich 40. Geburtstag streng genommen erst der 32. ist. Denn von 1976 bis 1984 gab es die Band gar nicht.

Egal, solange es die Knochen noch mitmachen, wird gerockt. Fast alle in der Band haben die 60 bereits überschritten und sich die Rente mit rund 30 Alben und unzähligen Konzerten ehrlich und hart erarbeitet. Vor allem hart, denn Deep Purple, die ursprünglich mal Roundabout hießen und ihre Gründung der Geschäftsidee zweier findiger Unternehmer verdanken, sind und bleiben die Väter des Hard Rock. Jenes musikalischen Universums, das wie kaum ein zweites glänzende Sterne, aber auch abgrundtief schwarze Löcher hervorgebracht hat.

Eher Letzterem lassen sich auch die Herren von Gotthard zurechnen, die in der nicht ausverkauften Sparkassen-Arena die Anheizer mimen. Seit 1990 beliefert die Schweizer Gruppe ihre Anhängerschaft mit hoffnungslos überholtem Klötenrock, der wie gemacht scheint für Leute, die noch immer meinen, sie sähen sexy aus in Spandexhosen. Gotthards ganzes Gebaren, ihre vorhersehbare Musik, ihr käsemaukiges Posing sind zutiefst im 21. Jahrhundert verwurzelt. Vor Christus, wohlgemerkt.
„Kiel, are you ready to rock?“ krakeelt Sänger Steve Lee ins Mikro, während Leo Leoni, Freddy Scherer (Gitarren) und Marc Lynn (Bass) sich immer wieder breitbeinig an die Bühnenkante stellen und versuchen, ihr Publikum zum Mitklatschen zu animieren, derweil Hena Habegger am Schlagzeug den Rhythmus bolzt. Das fruchtet stets nur kurz, aber die Kieler reagieren trotzdem freundlich; wenngleich längst nicht so „oscarreif“, wie Lee es ihnen in einer seiner Anmoderationen (natürlich: zum Song „Oscar“) unterstellt.

Ach, was soll's. Man hört sich das eine Stunde lang an und möchte keine Zugabe. Dann, na endlich, Deep Purple! Ian Gillan , Steve Morse, Don Airey, Roger Glover und besagtes Urmitglied Ian Paice präsentieren über 90 Minuten lang die größten Erfolge aus 40, bzw. 32 Jahren Bandgeschichte. Und die war bekanntlich wechselhaft, vor allem, was Besetzungen betrifft. Zweimal wurde Gillan auf Betreiben von Ex-Gitarrist Ritchie Blackmore rausgeschmissen, bevor es dann 1992 endlich zur dauerhaften Bindung kam, Blackmore dafür den Hut nahm und seitdem einen auf keltischen Zupfgeigenhansel macht.

Steve Morse ersetzt ihn ebenso adäquat wie Don Airey den 2002 ausgeschiedenen Jon Lord, von dessen fauchend-barockem Orgelspiel er sich allerhand abgeschaut hat: Ob „Into The Fire“, „Strange Kind Of Woman“ oder „Hush“, Airey weiß, welche Teufel aus seiner Hammond auszutreiben sind. Das dröhnt und wabert, dass einem die Backentaschen schlackern. Nicht anders bei Roger Glovers kraftvollem Bassspiel, und auch Ian Paice erinnert sich noch ganz genau, wo an seinem Linkshänderschlagzeug die schnellen, prägnanten Rhythmen gedeihen.

Steve Morse distanziert sich indes hörbar vom eher trockenen Stil seines Vorgängers und gerät darüber immer wieder ins Gniedeln. Tja, und Ian Gillan, der arme Mann, schlägt wacker eine brutale Schlacht gegen den mauen Sound und die hohen Töne, die er gegen Ende, bei „Highway Star“, leider verliert. Macht nichts, er darf auf die Kieler Liebe zählen, vor allem als Morse endlich das berühmteste Riff der Rockgeschichte anstimmt und die Menge tanzen lässt: G, B, C – G, B, Cis, C – G, B, C – B, G. Erkennen Sie die Melodie? Auf die nächsten 40!

Deep Purple im Stadtpark

Deep Purple

04. September 2002, Hamburg, Stadtpark Open Air

An einem lauen Spätsommerabend trafen sie sich endlich wieder einmal im Hamburger Stadtpark:

Jene, die immer noch nicht aufgeweicht sind von dem täglichen Einheitsbrei norddeutscher Radiosender, die Schlagermusik noch heute genauso schlimm wie damals finden (merke: Wein kann besser werden wenn er altert, schlechte Musik nicht!!), und schließlich alle, die das Original einer Kopie vorziehen.

Puristen werden vielleicht die Nase rümpfen, da es sich bei dem erwähnten „Original“ um Deep Purple handelt, einer der wechselfreudigsten Gruppen der Rockgeschichte. Wer mag bei dieser Band noch von einer Originalbesetzung sprechen?

Deep Purple 2002: Roger Glover, Steve Morse, Ian Paice, Don Airey, Ian Gillan (v.l.n.r)

An diesem Abend stand dann auch als Ersatz für das Gründungsmitglied Jon Lord der neue Keyboarder Don Airey hinter den Tasten.
Die Band legte mit „Fireball“ los wie die sprichwörtliche Feuerwehr und der Funke sprang sofort über. Mochte Ian Gillan mit seinen kurzen, mittlerweile leicht angegrauten Haaren auch wie der ältere Bruder unseres damaligen Kanzlers aussehen, die Power ist noch immer da. Sein absolutes Glanzstück war dann „When A Blind Man Cries“, selten habe ich eine solche Gänsehautinterpretation diesesKlassikers gehört. Dies war jedoch nur ein Höhepunkt unter vielen.

Simpler geht’s nicht! Wenn einem nichts mehr einfällt, dann greift man zu Platitüden. Die Seite musste wohl noch gefüllt werden… In den „Pressetimmen“ schlug man dann ganz andere Töne an 😉

So wie Steve Morse die Erinnerung an Ritchie Blackmore mit jedem Solo immer mehr verblassen lässt, fegten die restlichen Mitglieder mit ihren Soli in dem endlos ausgedehnten „Speed King“ jeden Gedanken an „Altersheim-Riege“ oder „Rentnerband“ von der Bühne. Ian Paice am Schlagwerk oder auch Roger Glover am Bass (so möchte mancher Gitarre spielen! Irre!!) rockten alles in Grund und Boden. Don Airey wurde in die Band integriert und spielte seinen Part sauber runter. Während Steve Morse jedoch vor mittlerweile sieben Jahren mit seinem eigenen Stil aus dem Schatten von Blackmore trat, so muss Don Airey seinen wohl noch finden.

Die Setliste umfasste nahezu sämtliche Klassiker sowie „Ted The Mechanic“ und ein sehr rockiges Instrumental (wenn ich Ian Gillan richtig verstanden habe „Well Dressed Guitarist“) vom für Anfang 2003 geplanten neuen Album BANANAS.
Nach knapp 80 Minuten ging es mit „Smoke On The Water“ in die (leider) einzige Zugabe, die mit „Hush“, „Black Night“ und „Highway Star“ den Stadtpark und die zahlreichen Zaungäste ein letztes Mal erbeben ließ.

Pressestimmen

Bier, Schweiß und Gesang
(Quelle: Ralf Dorschel, Hamburger Morgenpost v. 06.09.2002)

Deep Purple luden im ausverkauften Stadtpark zum »Bierbauch-Tanz«. Was ist das: den linken Arm unbequem nach links abgespreizt, die Hand zur Kralle? Die rechte Hand an die Gürtelschnalle und dann immer rauf und runter? Genau! Die Luftgitarre! Man sah sie im Dutzend, motiviert und dirigiert von Ian Gillan - der Stadtpark mag schon mal elegantere Tänzer gesehen haben, aber selten mehr Luftgitarristen.

Deep Purple waren da, oder genauer: Das, was von der legendären Deep Purple-Besetzung übrig ist. Im vergangenen Februar war Keyboarder Jon Lord zum x-ten Mal dem Kollektiv entwichen, der neue Mann an den Tasten heißt Don Airey und spielte mal bei Rainbow. Die Band ist also nicht ganz auf der Höhe von 1972, aber die Fans sind es ja auch nicht. Hier und da versickern arg schräg gehaltene Biere vor den gleichnamigen Bäuchen im Erdreich. Wir werden alle nicht jünger. Egal, denn was da auf der Bühne geschah, konnte sich sehen (endlich mal wieder eine richtig fette Lightshow im Stadtpark!) und hören lassen. Es waren nicht ganz die alten Deep Purple, aber es waren richtig gute Deep Purple.

Der erste Teil fiel überraschend blueslastig aus, vor allem “When A Blind Man Cries” hatte sich die Begeisterungsstürme wirklich verdient: ohne Rumgeniedel mit viel Gefühl auf den Punkt gespielt - die könnens noch, die alten Säcke. Das Programm war mit 80 Minuten nicht zu lang und clever kombiniert aus neueren Nichtigkeiten und den Klassikern. Ian Gillan (57) war bestens bei Stimme und Kondition, Ian Paice und Roger Glover standen ihm nicht nach. Und Don Airey gelang es, ein ganzes Kapitel Rock-Geschichte wiederauferstehen zu lassen: den Klassik-Rock und sein zentrales Ich-zeigs-euch-allen-gleich-werdet-ihr-staunen-Keyboard-Solo.

Da verfing sich dann Beethoven im Blues, die deutsche Hymne im "Star Wars"-Thema. Das Publikum hatte denn auch wirklich allen Grund zum Staunen. Nein wirklich, man hätte diesen Abend schlechter verbringen können. Deep Purple Anno 2002 sind allen Unkenrufen zum Trotz eine hellwache und jugendlich aufspielende Hardrock-Band.

Smoke on the Stadtpark, Fire in the Sky
( Quelle: Die Welt v. 06.09.2002)

5000 Besucher standen im Stadtpark, rund 1000 lagerten bei Kerzenschein auf dem Rasenstreifen der Allee vor den Toren, als Ian Gillan von Deep Purple als letzten Song vor den Zugaben "Smoke On The Water" anstimmte. Die Band, die einst zeitgleich mit Led Zeppelin den Hardrock erfand, präsentierte sich - trotz der zahlreichen Umbesetzungen ihrer mehr als 25-jährigen Geschichte - praktisch in Bestform. Barfuß und frohgemut gab Ian Gillan den Springinsfeld und Mikrofonständerschleuderer.

Schön, dass die Diskussionen des Abends nicht vor der Bühne, sondern auf ihr stattfanden. Nach einem wundervollen Phrasendialog zwischen Don Airey am Keyboard und Steve Morse an der Gitarre erzählte Roger Glover eine melodische Geschichte auf dem Bass. Anschließend holte Drummer Ian Paice als ältestes Mitglied der Band zu einer seiner unnachahmlichen Rhythmus-Eskapaden aus. Es ist immer wieder verblüffend, wie sehr der Schlagzeuger trotz seiner virtuosen Kollegen den Sound der Gruppe prägt. Ian Gillan, der seinen Instrumentalisten den Raum überlassen hatte, kehrte zurück und wechselte noch einige Koloraturbemerkungen mit der E-Gitarre seines Kollegen Morse. Nun ging es zur traditionellen Sache: Neben "Hush" erklang auch "Speed King". Auf "Child of Time" warteten die Fans, wie in den vergangenen Jahren, allerdings vergeblich. Die neueren Stücke, mit denen das Konzert eröffnet wurde, sind zwar auch ganz schön, jedoch erheblich durchsichtiger konzipiert als die Oldies, setzen bewusster auf die Präsentation der Fähigkeiten der einzelnen Bandmitglieder - wenn du ein Solo hast, will ich auch eins - und sind damit nicht annähernd so urgewaltig und mitreißend wie die Stücke, die jeder auswendig kennt.

Aber zum Einstieg sind sie wunderbar geeignet. Der Jubel der Fans sorgte bei den Deep-Purple-Stars offenkundig für gute und Geberlaune. Allein der piratenkopftuchtragende Roger Glover schleuderte schon während des Konzertes ein gutes Dutzend Plektren ins Publikum. Steve Morse warf am Ende einen ganzen Stapel hinterher und auch Ian Paice trennte sich frohgemut von seinen Sticks. Und die Elektrolichtscheinwerfer zauberten zum letzten Mal für diesen Abend ein "Fire in the sky".

Noch nicht reif für die Rente
(Quelle: Hamburger Abendblatt v. 06.09.2002)

Hamburg - Soundwälle aus der Hammond-Orgel von Jon Lord und exzellente Saitenquälerei von Ritchie Blackmore - dafür steht Deep Purple. Nach mehrfacher Umbesetzung ist seit März diesen Jahres wieder ein neues Gesicht dabei: 34 Jahre nach ihrer Gründung gab die Band mit neuem Keyboarder Don Airey am Mittwoch auf der Freilichtbühne im Stadtpark das letzte Konzert der Deutschland-Tournee.

Barfuß und in weißem Guru-Look kam Sänger Ian Gillan und legte gleich mit "Magic Woman" los. Neben Songs der neueren Alben waren es doch die alten Hits wie "Woman From Tokyo" und "Smoke On The Water", die für Stimmung sorgten. Dazwischen lagen ausgiebige Soli, bei denen vor allem Gitarrist Steve Morse, seit 1994 an Blackmores Stelle, die Führung übernahm. Gelegenheit für Gillan, die Bühne kurz zu verlassen, um auch nach eineinhalb Stunden noch unisono mit Morses Gitarrenläufen in wilden Höhen wettstreiten zu können.

Ein Deep-Purple-Konzert ohne "Child In Time" - eigentlich undenkbar. Die Fans, im Alter ebenbürtig, waren trotzdem zufrieden. Purer alter Hardrock ohne runtergestimmte Gitarren, der keinen Grund zur Rente gibt: The battle rages on.